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Gleiche Stereotype, andere Ursachen

Die Judenfeindschaft von Muslimen ist auch ein Produkt verfehlter Integrationspolitik

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Spätestens seit auf den Demonstrationen gegen den Gaza-Krieg »Tod, Tod, Israel« zu hören war, bekommt das Thema Antisemitismus unter muslimischen Migranten breite Aufmerksamkeit. Oft heißt es nun, man habe das Problem zu lange vernachlässigt oder – und das zielt in Richtung von Antirassisten und Multikulti-Befürwortern – gar tabuisiert. Aus Angst, Migranten zu stigmatisieren.

Tatsächlich gibt es bislang keine große Studie, die sich allein den antisemitischen Vorurteilen innerhalb arabisch- und türkisch-muslimischer Milieus widmet. Dies liegt aber in erster Linie daran, dass sich die Bundesrepublik bis vor Kurzem auch sonst nicht dafür interessiert hat, wie Einwanderer leben, was sie denken und wünschen. Eine im Dezember 2007 veröffentliche Untersuchung zu Einstellungen von Muslimen war die erste überhaupt. Die Sozialforscher Peter Wetzel und Katrin Brettfeld fanden unter anderem heraus, dass im Vergleich zu »urdeutschen« Jugendlichen drei mal so viele junge Muslime der Aussage zustimmten, »Juden sind überheblich und geldgierig«, nämlich 15,7 Prozent.

Allerdings trifft es auch nicht zu, dass über das Problem noch gar nichts bekannt ist. Das Zentrum für Antisemitismusforschung beschäftigt sich schon länger mit der Judenfeindschaft unter Muslimen, stellt dem allerdings das Feindbild Islam gegenüber, wie es in der Mehrheitsgesellschaft verbreitet ist. Und es gibt eine Reihe von Projekten, die Konzepte für die Arbeit mit muslimischen Jugendlichen entwickeln. Ihre Einschätzungen und Ansätze sind in eine Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung eingeflossen, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Das Gespräch dieses Abends verlief wie viele Diskussionen über Defizite »der Anderen«. Irgendwie kommt die Mehrheitsgesellschaft immer wieder bei sich selbst an. Zumindest, wenn sie ehrlich an Lösungen interessiert ist.

Aus Hetzfilmen und Interviews ist bekannt, muslimische Migranten verwenden dieselben Stereotype, wie sie im christlichen Europa verbreitet sind. Kein Wunder, sie haben hier ihren Ursprung. Unterschiede ergeben sich jedoch beim Blick auf die Ursachen. So ist ihre Judenfeindschaft verknüpft mit einem real existierenden Konflikt, der einseitig interpretiert wird. »Der Nahostkonflikt ist die häufigste Begründung für die Ablehnung von Juden«, weiß Mirko Niehoff von der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, die mit Schulen zusammenarbeitet. Wer aus der Region stammt, ist oft direkt betroffen: Weil man selbst vor dem Krieg fliehen musste oder Verwandte und Freunde dort leben.

Das erklärt allerdings nicht, warum sich auch türkischstämmige Jugendliche mit den Palästinensern solidarisieren. Hanne Thoma von der Task Force Education on Antisemitism führt das auf Diskriminierungserfahrungen und fehlende Anerkennung in Deutschland zurück. In den Palästinensern finden sie ein Bild für die eigene Situation, in der sie sich als Opfer fühlen. Hier können auch radikale Islamisten und Neonazis anknüpfen. »Man kann sich auf Deutschland nicht positiv beziehen und sucht seine Identität anderswo«, erläutert Thoma. Identitätsstiftend ist dann die Gemeinschaft der Muslime, der Araber.

Amadeu Antonio Stiftung (Hg.): »Die Juden sind schuld.« Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft am Beispiel muslimisch sozialisierter Milieus. 5 Euro oder kostenlos herunterladen: www.amadeu-antonio-stiftung.de

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