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Erschütternde Fakten

DAS GOLD UND DER HOLOCAUST

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Der Einschub des kleinen Buchstabens »b« im Titel macht deutlich, dass es sich hier nicht so sehr um eine wirtschaftshistorische Publikation, sondern um eine sehr politische handelt. Großraubwirtschaft ist die treffende Wortabwandlung der von den Nazi-Größen und ihren Wirtschaftsbossen mittels Gewalt, Krieg und Völkermord angestrebten deutschen Großraumwirtschaft.

Die Studie von Ralf Banken hat ihren Ausgangspunkt in den jüngsten Diskussionen zu Herkunft und Umgang mit dem sogenannten Raub- und KZ-Gold Hitlerdeutschlands. In deren Gefolge war u. a. der Auftrag ergangen, die Unternehmensgeschichte der Degussa AG, Marktführer der Edelmetallbranche in Deutschland, während der NS-Zeit intensiver zu erforschen. Diese profunde Arbeit geht aber weit über diesen Rahmen hinaus.

Zunächst behandelt der Autor die Entwicklung des Edelmetallsektors der deutschen Wirtschaft in den Jahren 1933 bis 1938/39 und befasst sich mit den Hauptakteuren sowie den wechselseitigen Verflechtungen. Geschildert wird die gewaltsame Aneignung von Gold, Silber etc. durch den NS-Staat im Zuge der antijüdischen Aktionen im Reich und beim Anschluss Österreichs. Die räuberische Beschaffung von Gold und anderen Edelmetallen während des Krieges in den besetzten Gebieten (hier besonders Tschechoslowakei, Polen und Sowjetunion) sowie in den KZ- und Vernichtungslagern der SS wird dokumentiert. Bloßgelegt wird die Verbringung der »Beute« ins Reich und die kriegswirtschaftliche Verwertung. Der Autor analysiert die Rolle der beteiligten staatlichen Institutionen (Ministerien, Deutsche Reichsbank u. a.), der Organe des NS-Machtapparates (SS, Wehrmachtstellen, Militär- und zivile Besatzungsverwaltungen) sowie privater und öffentlicher Unternehmen (Scheideanstalten, Pfandleihen). »Die Bewirtschaftung des Edelmetallmangels vor Kriegsausbruch führte in der Logik des NS-Systems zwangsläufig zu einer Großraubwirtschaft im Krieg«, schreibt Banken. Die Gier nach dem Gold führte sogar zur systematischen Massentötung und Leichenfledderei in den Vernichtungslagern.

Ein solches Buch liest man nicht in einem Zug. Nicht nur wegen seines beträchtlichen Umfangs, sondern weil es erschütternd ist, was man hier erfährt. Diese Faktenfülle ist schwer zu »verdauen«. Für die aktuelle Auseinandersetzung mit Tendenzen zur Leugnung des Holocaust ist dieses Buch, das wichtige Kenntnisse von Vorgängen in unseliger Vergangenheit der Deutschen vermittelt, unverzichtbar.

Ralf Banken: Edelmetallmangel und Großraubwirtschaft. Die Entwicklung des deutschen Edelmetallsektors im »Dritten Reich« 1933 - 1945. Akademie Verlag. 918 S., brosch., 49,80 EUR.

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