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Mexiko läuft das Wissen davon

Akademiker studieren lieber im Ausland und kommen nur selten zurück

  • Von Andreas Knobloch, Mexiko-Stadt
  • Lesedauer: 3 Min.

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Während überall staatliche Konjunkturprogramme gegen die Wirtschaftskrise helfen sollen, bedroht die massive Abwanderung von Akademikern in Schwellenländern wie Mexiko die ökonomische Entwicklung.

Jedes Jahr verlassen rund 20 000 Mexikaner mit höherer Schulbildung das Land – Tendenz rasant steigend. Knapp 575 000 Universitätsabgänger leben und arbeiten Schätzungen zufolge derzeit im Ausland. Ein Exodus, der das Land bereits 100 Milliarden Pesos (rund 5,5 Milliarden Euro) gekostet hat. Das ist das Vierfache dessen, was der größten Universität des Landes, der Universidad Nacional Autónoma de México, an Geldmitteln zur Verfügung steht, und ein Viertel des gesamten mexikanischen Bildungsetats. Dies erläuterte der Staatssekretär für Höhere Bildung, Rodolfo Tuirán, bei der Vorstellung der Zahlen.

Die Liste der Gründe für die Abwanderung ist lang: fehlende berufliche Entwicklungschancen und hohe Arbeitslosigkeit, unzureichende Möglichkeiten für die Aufnahme der Universitätsabgänger und die begrenzte Anzahl von Studienplätzen an öffentlichen Universitäten. Zudem bieten Industrieländer höhere Gehälter und einen höheren Lebensstandard, was sie für Akademiker attraktiv macht. Gleichzeitig sorgt die Abwanderung von Wissen aus Schwellen- und Dritte-Welt-Ländern in die sogenannte Erste Welt für eine zum Teil extreme Differenz zwischen Metropole und Peripherie.

Nach den vorgelegten Zahlen leben 552 000 Mexikaner mit Universitätsabschluss, Master- oder Doktortitel in den USA. Weitere 23 000 sind in Länder der Europäischen Union migriert. Auf fünf Mexikaner mit einem Master- und auf drei mit einem Doktortitel kommt einer, der in den USA lebt. Und der Aderlass hat sich zuletzt noch beschleunigt: Während zwischen 1995 und 2000 jedes Jahr knapp 15 000 Universitätsabgänger das Land verließen, sind es heute bereits 20 000.

Ein weiteres ernstes Problem ist die Abwanderung vieler Studenten in Richtung privater Unis aufgrund fehlender Kapazitäten an öffentlichen Einrichtungen. Vor allem, da an vielen privaten Bildungsstätten zwar viel Geld in die Ausbildung, aber kaum in die Forschung gesteckt wird.

Um dem Problem zu begegnen, bedarf es unter anderem bilateraler Migrationsabkommen, besonders mit den USA. Damit stieß die mexikanische Regierung auf US-amerikanischer Seite aber bisher auf mehr oder weniger taube Ohren. Schätzungen zufolge leben allein in den USA 11,2 Millionen Mexikaner; zählt man US-Staatsbürger mit mexikanischen Wurzeln hinzu, sind es sogar 18,6 Millionen. Während die Industriestaaten qualifizierte Einwanderung aus den Schwellenländern mittels Blue oder Green Cards fördern, steht Mexiko der Abwanderung seiner gebildeten Bevölkerung ohnmächtig gegenüber.

Es fehlt zudem an einem Anreizsystem, um Bürger, die im Ausland studiert haben, zur Rückkehr zu bewegen und um diejenigen, die ihren Abschluss in Mexiko gemacht haben, zu halten. Die bestehenden Programme laufen größtenteils ins Leere, da es an echten Perspektiven nach einer Rückkehr mangelt. Außerhalb der Universitäten gibt es kaum Forschungsstellen. Es fehlt an einer akademischen Infrastruktur, die Rückkehrer aufnehmen könnte. Und die Löhne, die in Mexiko gezahlt werden, sind zu niedrig. Gleichzeitig »veralten« die akademischen Eliten. Wissenschaftler und Professoren an mexikanischen Universitäten haben heute laut Statistiken ein Durchschnittsalter von rund 55 Jahren.

Auch die Netzwerke derer, die nicht zurückkehren, werden nur unzureichend genutzt. Handlungsbedarf besteht also an vielen Fronten, vor allem braucht es ein nachhaltiges Konzept gegen den akademischen »Braindrain«.

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