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Welle des Protestes in Europa

Zehntausende Kapitalismusgegner am Wochenende in Europa auf der Straße

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In mehreren europäischen Städten haben am Wochenende mehrere zehntausend Kapitalismuskritiker gegen das Krisenmanagement ihrer Regierungen in der Finanzkrise demon-striert. In London fand eine Woche vor dem Treffen der G20 mit rund 35 000 Teilnehmern die größte Demonstration statt.

Berlin/Frankfurt am Main. (ND/ Agenturen). In Frankfurt am Main und in Berlin versammelten sich rund 40 000 Menschen unter dem Motto »Wir zahlen nicht für Eure Krise – Für eine solidarische Gesellschaft«. Mit Sprechchören, Trillerpfeifen und Plakaten protestierten sie gegen das »unsoziale Krisenmanagement« der Bundesregierung in der Wirtschaftskrise. Aufgerufen dazu hatte ein breites Bündnis aus Globalisierungskritikern, Gewerkschaftern und linken Organisationen. Auf Plakaten und Transparenten waren Slogans zu lesen wie »Die Welt ist keine Ware« oder »Es war nicht alles schlecht im Kapitalismus«.

Einhellig wandten sich die Redner an die Verursacher der Krise, »für die Kosten aufzukommen«. Der Vorsitzende der LINKEN, Gregor Gysi, forderte bei der Abschlusskundgebung in Berlin die Verstaatlichung von Großbanken und eine Umverteilung zugunsten der Armen. »Das System zerstört sich, indem es auf der einen Seite mehr Armut und auf der anderen Seite mehr Reichtum fördert.«

Die baden-württembergische ver.di-Chefin Leni Breymaier sagte in Frankfurt, nicht Steuergelder für Banken und Versicherungen, sondern Löhne und Renten, von denen man leben könne, sowie sichere Arbeitsplätze seien »systemrelevant«. Für die Organisation Attac sagte deren Vertreter Alexis Passadakis in Berlin, der Neoliberalismus sein ein Angriff auf die Demokratie. Er forderte die Verstaatlichung von Banken und ein Ende der globalen Standortkonkurrenz. Mitorganisatorin Christina Kaindl von der Gruppe Soziale Kämpfe äußerte sich nach Abschluss der Protestveranstaltungen zufrieden: »Es war ein erfolgreicher, kraftvoller Aufschlag für weitere Aktionen in der nächsten Zeit.«

In Berlin kam es am Rande der Demonstration zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. Dabei wurden 29 Teilnehmer festgenommen.

Die europäischen Proteste fanden im Vorfeld des kommende Woche in London beginnenden Gipfels der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) statt. In der britischen Hauptstadt marschierten Demonstranten unter dem Motto »Put People First« (»Setzt die Menschen an erste Stelle«) zum Hyde Park.

Ein Bündnis aus mehr als 150 Gewerkschaften, Umwelt- und Hilfsorganisationen sowie globalisierungskritischen Netzwerken hatte zu den Protesten in London aufgerufen. »Niemals zuvor ist ein so breites Bündnis mit so einer klaren Botschaft an die weltweiten Führungen zusammengekommen«, sagte der Generalsekretär des britischen Gewerkschaftsbundes TUC, Brendan Barber. »Die alten Vorstellungen von nicht regulierten freien Märkten funktionieren nicht und haben die Weltwirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs gebracht«, kritisierte er. Gegen Armut und den Klimawandel sei unterdessen viel zu wenig unternommen worden. Nach Angaben von Scotland Yard nahmen 35 000 Menschen an dem Marsch teil.

In Wien beteiligten sich nach Veranstalterangaben 20 000 Menschen an einer Kundgebung, in Rom 6000. Weitere Aktionen gab es in Frankreich, Spanien und Norwegen.

Ab Donnerstag beraten beim G20-Gipfel in London die Teilnehmerstaaten über Wege zur Bewältigung der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Anlässlich des Gipfels planen Globalisierungskritiker, Kriegsgegner und Klimaschützer weitere Proteste.

Fotogalerie: »Tausende demonstrierten auf Berlins Straßen«

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