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Allerlei Buntes aus alten Flipflops

Ein Projekt in Kenia hilft der Umwelt und den Armen

  • Von Najum Mushtaq, Nairobi
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Idee der kenianischen Umweltaktivistin Julie Church zeigt, wie man aus der Not der Umwelt eine Tugend für die Armen machen kann. Die Firma UniqEco verarbeitet Strandmüll zu Produkten, die im In- und Ausland ihre Käufer finden.

In einem kleinen Laden in einem Vorort der kenianischen Hauptstadt Nairobi begegnen sich Kunst und Mode, der Kampf gegen die Armut und der faire Handel. Zugleich ist ein Besuch im Marula-Studio der Firma UniqEco ein Fest für die Sinne. Eine Welle von Farben stürzt auf einen ein, noch bevor man die Vielfalt der Formen der Produkte in sich aufnehmen kann. Handtaschen, Skulpturen, Spielzeug, Jonglierbälle, eine übergroße Halskette, Schlüsselanhänger, riesige, aufblasbare Wale – alles aus Strandmüll gefertigt, vor allem aus Flipflops.

Gesammelt haben das Rohmaterial Küstenbewohner aus Lamu in einer der ärmsten Regionen im Nordosten Kenias. Seit 2005 gibt es UniqEco, und seitdem wurden 175 000 Flipflops mit einem Gesamtgewicht von rund 60 000 Kilogramm eingesammelt und verarbeitet. Die meisten der rund 200 Sammler sind Frauen, das Strandgut wird von mittlerweile zwei Dutzend Künstlern zu einträglicher Ware verarbeitet. Hinter der Idee steckt die kenianische Umweltaktivistin Julie Church. Zuvor hatte sie für den Worldwide Fund for Nature (WWF) und den Kenya Wildlife Service ein Programm in Kiunga geleitet. »Eines der Umweltprogramme, das ich zusammen mit den Menschen vor Ort entwickelte, war Flipflop-Kunst. Die Idee kam mir 1997, als ich sah, wie Jungs am Strand Spielzeug aus Treibgut schnitzen.« Church motivierte die Menschen, Meerestiere wie Schildkröten, Wale, Delfine und Krabben zu schnitzen, um so mehr über ihre Umwelt zu lernen. Außerdem half sie ihnen beim Verkauf. Um kein Treibgut ungenutzt zu lassen, wurden immer unterschiedlichere Dinge produziert. Werbe-Schlüsselanhänger und Perlen aus Flipflop-Sohlen brachten das Projekt auf den Weg. Nach 15 000 Schlüsselanhängern gab es eine Auszeichnung des Schweizer WWF – die Produktion musste gesteigert werden, und mehr Frauen wurden an Bord geholt. Bald fanden die kleinen Kunstwerke einen Markt in Nairobi. »Das Geld floss zurück in die lokalen Gemeinden, und gleichzeitig wurden die Strände vom Müll befreit«, beschreibt Church den Kreislauf. Zusehends entwickelte sich ihre Idee zu einem gut funktionierenden Geschäftsmodell. 2005 stieg Church aus dem WWF-Projekt aus und gründete zusammen mit der Sozialarbeiterin Tahreni Bwanaali UniqEco.

Zuerst wollten die Betreiber mit ihren Partnern nur das Spielzeug der Strandbewohner verkaufen, doch dann wurde ihnen das Potenzial der Recycling-Seite bewusst. Sie erkannten, dass sie tiefer in die Produktion einsteigen mussten. Also wurden 2006 die Marula-Studios in Nairobi eingerichtet, wo inzwischen mehr als 20 Menschen beschäftigt sind, die zwischen 125 und 250 US-Dollar im Monat verdienen. Auch der Markt expandierte. Zwar wird nach wie vor viel an Touristen in Lamu verkauft, aber mehr als 70 Prozent der Produkte gehen heute ins Ausland. Dabei wird online bestellt, der Verkauf aber konventionell abgewickelt, sagt Church. »Komplett online läuft noch nicht viel, wegen der Probleme bei der Lieferung und beim Transfer kleinerer Beträge nach Kenia. Daher arbeiten wir mit Großhändlern in den USA, Australien, Südafrika, der Schweiz, Frankreich und Finnland zusammen und wickeln so den Großteil des Geschäfts ab.« Durch den Erfolg in Lamu konnte jetzt ein zweiter Ort für die Rohstoffgewinnung erschlossen werden. Seit diesem Jahr kauft UniqEco die Flipflops auf, die das Ende des Nairobi-Flusses im Kibera-Slum der Hauptstadt verstopfen. »Saubere Stadtgewässer sind genau so wichtig wie saubere Strände«, erläutert Church. Jetzt haben auch in den Slums viele Frauen ein Einkommen, und die Stadt wird sauberer. »Wir haben mit einer kleinen Geschäftsidee Erfolg gehabt und gezeigt, dass Handel, nicht Hilfsgelder die Antwort auf die Probleme ist«, lautet die Bilanz von Julie Church. »Es gibt noch viel zu tun, aber die Saat ist gesät.« IPS

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