Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Mit Begleitung zum Amt

Aktionen vor Jobcentern und Arbeitsagenturen breiten sich aus

In Hanau, Duisburg und Bonn haben Erwerbslose am Montag vor und in Arbeitsagenturen, ARGEn und Jobcentern gegen Schikanen und Diskriminierung protestiert.

In Bonn hatten sich ca. 80 Personen zur Aktion »Agenturschluss« versammelt. Mit dem Begriff erinnerten die Initiatoren, verschiedene Erwerbslosengruppen aus Bonn, Köln und Umgebung, bewusst an eine bundesweite Aktion, mit der am 2. Januar 2005 gegen die Einführung von Hartz IV protestiert worden war. Damals hatten viele Jobcenter an diesem Tag ihren Betrieb eingestellt. Auch die Bonner ARGE hatte bei einem Teil der Erwerbslosen die Termine kurzfristig verschoben, berichtet Martin Behrsing vom Erwerbslosenforum Deutschland gegenüber ND.

Gleich am Anfang hätte der Sicherheitsdienst der ARGE verhindert, dass die Aktivisten einen Tisch im Gebäude aufstellen konnten. Es sei allerdings auch vor dem Eingang möglich gewesen, die Betroffenen über die Aktion zu informieren. Rund 30 Personen hätten das Angebot wahrgenommen, sich von Aktivisten der Erwerbslosenbewegung bei ihrem Termin begleiten zu lassen. Es habe sich auch hier wieder gezeigt, dass es damit gelingt, strittige Fälle schneller zu entscheiden und Anträge, die teilweise über Monate auf dem Amt liegen, zügig zu bearbeiten, berichtete Erwerbslosenaktivist Adi Altgassen gegenüber ND von seinen Erfahrungen. Diese Erfolge trügen auch dazu bei, dass Menschen wieder aktiv werden. So würden etwa 10 Prozent der Betroffenen sich selbst an den Begleitaktionen beteiligen.

Die Aktivisten sehen auch sonst Grund für vorsichtigen Optimismus. Die Erwerbslosenbewegung beginne sich langsam wieder neu zu organisieren, so Behrsing. Mit den öffentlichkeitswirksamen Protesten gegen die Agenda 2010 im Jahr 2004 war sie zu einem Medienthema geworden. Die bundesweite Aktion »Agenturschluss« im Januar 2005 schien dann der Schlusspunkt. Die Bewegung brauchte Zeit, sich mit den veränderten Bedingungen nach der Einführung von Hartz IV auseinander zu setzen.

Statt bundesweiter Großaktionen waren dezentrale Aktionen angesagt. So wurden im Jahr 2007 in Köln die ersten »Zahltag«Aktionen organisiert. Auch dabei ging es darum, in den ARGEn durchzusetzen, dass zurückgehaltene Gelder ausgezahlt oder lang gestellte Anträge bearbeitet werden. Das wurde auch in verschiedenen Fällen erreicht. Nach den Erfolgen dieses ersten »Zahltags« machten die Aktionen Schule. Dass sie am Montag gleich in drei Städten stattfanden, sei nicht die Folge einer zentralen Organisierung, betonte Altgasen. Es zeige sich viel mehr, dass in vielen Städten die Erwerbslosen wieder verstärkt für ihre Rechte zu kämpfen bereit seien.

In Berlin, wo am 28. April Aktivisten unter dem Motto »Keiner muss allein zum Amt!« vor dem Jobcenter Neukölln Beratung und Begleitung anboten, sollen in der nächsten Zeit regelmäßig solidarische Begleitaktionen mit Erwerbslosen stattfinden.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln