Werbung

Mit Begleitung zum Amt

Aktionen vor Jobcentern und Arbeitsagenturen breiten sich aus

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

In Hanau, Duisburg und Bonn haben Erwerbslose am Montag vor und in Arbeitsagenturen, ARGEn und Jobcentern gegen Schikanen und Diskriminierung protestiert.

In Bonn hatten sich ca. 80 Personen zur Aktion »Agenturschluss« versammelt. Mit dem Begriff erinnerten die Initiatoren, verschiedene Erwerbslosengruppen aus Bonn, Köln und Umgebung, bewusst an eine bundesweite Aktion, mit der am 2. Januar 2005 gegen die Einführung von Hartz IV protestiert worden war. Damals hatten viele Jobcenter an diesem Tag ihren Betrieb eingestellt. Auch die Bonner ARGE hatte bei einem Teil der Erwerbslosen die Termine kurzfristig verschoben, berichtet Martin Behrsing vom Erwerbslosenforum Deutschland gegenüber ND.

Gleich am Anfang hätte der Sicherheitsdienst der ARGE verhindert, dass die Aktivisten einen Tisch im Gebäude aufstellen konnten. Es sei allerdings auch vor dem Eingang möglich gewesen, die Betroffenen über die Aktion zu informieren. Rund 30 Personen hätten das Angebot wahrgenommen, sich von Aktivisten der Erwerbslosenbewegung bei ihrem Termin begleiten zu lassen. Es habe sich auch hier wieder gezeigt, dass es damit gelingt, strittige Fälle schneller zu entscheiden und Anträge, die teilweise über Monate auf dem Amt liegen, zügig zu bearbeiten, berichtete Erwerbslosenaktivist Adi Altgassen gegenüber ND von seinen Erfahrungen. Diese Erfolge trügen auch dazu bei, dass Menschen wieder aktiv werden. So würden etwa 10 Prozent der Betroffenen sich selbst an den Begleitaktionen beteiligen.

Die Aktivisten sehen auch sonst Grund für vorsichtigen Optimismus. Die Erwerbslosenbewegung beginne sich langsam wieder neu zu organisieren, so Behrsing. Mit den öffentlichkeitswirksamen Protesten gegen die Agenda 2010 im Jahr 2004 war sie zu einem Medienthema geworden. Die bundesweite Aktion »Agenturschluss« im Januar 2005 schien dann der Schlusspunkt. Die Bewegung brauchte Zeit, sich mit den veränderten Bedingungen nach der Einführung von Hartz IV auseinander zu setzen.

Statt bundesweiter Großaktionen waren dezentrale Aktionen angesagt. So wurden im Jahr 2007 in Köln die ersten »Zahltag«Aktionen organisiert. Auch dabei ging es darum, in den ARGEn durchzusetzen, dass zurückgehaltene Gelder ausgezahlt oder lang gestellte Anträge bearbeitet werden. Das wurde auch in verschiedenen Fällen erreicht. Nach den Erfolgen dieses ersten »Zahltags« machten die Aktionen Schule. Dass sie am Montag gleich in drei Städten stattfanden, sei nicht die Folge einer zentralen Organisierung, betonte Altgasen. Es zeige sich viel mehr, dass in vielen Städten die Erwerbslosen wieder verstärkt für ihre Rechte zu kämpfen bereit seien.

In Berlin, wo am 28. April Aktivisten unter dem Motto »Keiner muss allein zum Amt!« vor dem Jobcenter Neukölln Beratung und Begleitung anboten, sollen in der nächsten Zeit regelmäßig solidarische Begleitaktionen mit Erwerbslosen stattfinden.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen