Ingolf Bossenz 16.05.2009 / Ausland

Benedikt und der domestizierte Nazarener

Die Nahostreise des Papstes war frei von Fehltritten – aber auch von klarer Kritik und Selbstkritik

Was vor einer Woche auf dem Berg Nebo in Jordanien begann, endete gestern am Heiligen Grab in Jerusalem. Wo Mose das Gelobte Land sah und Jesus auferstand – Stationen der Nahosttour von Papst Benedikt XVI.

Altes und Neues Testament im Schnelldurchlauf weniger Tage – so könnte man die Pilgerreise von Papst Benedikt XVI. ins Heilige Land umschreiben. Doch Papstbesuche im Nahen Osten sind kein beschauliches religiöses Sightseeing, sondern eine mit hohen Erwartungen verbundene politische Gratwanderung. Dabei war der Grat für Joseph Ratzinger diesmal besonders schmal. Schließlich hatte es das katholische Kirchenoberhaupt in seinem erst gut vier Jahre währenden Pontifikat geschafft, Muslime wie Juden in einem Maß gegen sich aufzubringen, das schwerste interreligiöse Verwerfungen befürchten ließ. Zwar liegt die Regensburger Rede mit dem Zitat eines mittelalterlichen Monarchen, dass Mohammed »nur Schlechtes und Inhumanes« gebracht habe, mittlerweile über zweieinhalb Jahre zurück. Doch weder Benedikts Türkei-Reise Ende 2006 noch die Intensivierung des katholisch-islamischen Dialogs haben den seitens des Vatikans als unglückseligen Fauxpas heruntergespielten Vorfall in der islamischen Welt in Vergessenheit geraten lassen. Das Judentum hatte der Pontifex zunächst 2008 mit der Wiederbelebung der Karfreitagsfürbitte zur Bekehrung der Juden verprellt, um dann Anfang 2009 »nachzulegen« mit der kirchlichen Rehabilitierung von vier Bischöfen der reaktionären Pius-Bruderschaft, unter denen sich ein notorischer Holocaustleugner befindet.

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