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Wehrmacht und (k)ein unbefleckter Anstand

Heeresinspekteur Budde verknüpft Soldatenehrung mit Afghanistan

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Buchstäblich mit Pauken und Trompeten hat die Bundeswehr gestern ihre Traditionslinien bekräftigt: Zum Veteranentreffen des Kameradenkreises der Gebirgstruppen im bayerischen Mittenwald spielte das Gebirgsmusikkorps aus Garmisch-Partenkirchen.
Protest mit behördlichem Interesse
Protest mit behördlichem Interesse

Auch sonst erfreute sich der Kameradenkreis einer umfänglichen Unterstützung durch das Militär. Hatte die Bundeswehr im vergangenen Jahr keinen offiziellen Vertreter zu einer Ansprache abgestellt, trat diesmal mit Heeresinspekteur Hans Otto Budde gleich einer der höchsten Generale der Bundeswehr auf. Weitere Soldaten erfüllten logistische Dienstleistungen und halfen, die rund 300 Besucher mit Militärbussen zum Versammlungsort zu fahren. Insgesamt waren 66 Soldaten im Einsatz. Das hatte die Bundesregierung am Freitag auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke (Linksfraktion) geantwortet. Anwesend war auch CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt.

Budde stellte in seiner Rede den Zusammenhang zwischen der Ehrung von Wehrmachtstoten und dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan her. Es sei tragisch, dass auch heute Soldaten »fern der Heimat fallen oder verwundet werden«. Die Erinnerung an »zeitlose soldatische Tugenden« solle ihnen zum erforderlichen Einsatzgeist verhelfen. Dabei soll auch die Wehrmacht nicht fehlen: Zwar sei diese »kein unbefleckter Ort des Anstands gewesen« – im Kontext des Kameradenkreises ist das bereits eine mutige Äußerung. Den möglichen Eindruck einer allzu gründlichen Distanzierung von der Wehrmacht korrigierte Budde dann mit dem Hinweis, er wende sich gegen »pauschale Verdammung«, die Schuld von Wehrmachtsoldaten sei nur eine »persönliche« Angelegenheit, und »herausragende Einzeltaten« seien stets zu ehren.

Ulla Jelpke kritisierte die Unterstützungsleistungen der Bundeswehr als »aktiven Beitrag zur Wehrmachtsverklärung«, weil der Kameradenkreis in seinen Äußerungen keinen Zweifel daran lasse, »dass er die Wehrmacht für traditionswürdig hält«. Die Bundesregierung hat es sich allerdings zur Gewohnheit gemacht, wehrmachtsglorifizierende Äußerungen der Vereinsfunktionäre als »Privatmeinungen« abzutun, die nicht kommentiert werden brauchten.

Die traditionelle Demonstration von Antifaschisten findet diesmal erst an Pfingsten statt. Protest gab es allerdings bereits am Freitag Nachmittag: Ein kleines Kommando mit dem bayerischen Aktionskünstler Wolfram Kastner und der eigens angereisten Berliner DFG-VK sperrte symbolisch eine Kapelle im Mittenwalder Stadtzentrum, in der Gefallenenzeigen aus dem Dritten Reich hängen – im Original, inclusive »Heldentod«-Verherrlichung und Hakenkreuzen. Die Tafeln waren vor Protestbeginn entfernt worden. Die Aktivisten, angetan in Tarnfleck, sperrten die Kappelle mit einem Transparent ab und hielten dagegen: »Mörder sind keine Helden.« Dafür wurden sie drei Stunden in Gewahrsam genommen und werden ein Strafverfahren bekommen.

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