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Virtuos

Mel Brooks / Autor, Komponist, Regisseur (82). Er erhält den ersten Ehren Ernst-Lubitsch-Preis

  • Von Marion Pietrzok
  • Lesedauer: 2 Min.

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Zur Deutschland-Premiere seines Musicals »The Producers – Frühling für Hitler« am Sonntag im Berliner Admiralspalast wolle er nicht kommen, hatte er vorab erklärt (ob er dabei verschmitzt lächelte, ist nicht überliefert). Während der Premiere könne »immer ein Scharfschütze lauern«, so Mel Brooks, »der findet, dass ich den Namen des Führers geschändet habe«. Lustige Pointe und bittere Nähe zur Wirklichkeit in der für den Meister des jüdischen Witzes typischen waghalsigen Balance. Den scheinbaren Wettlauf um die größtmögliche Selbstverhohnepiepelung mochte er zum Sieg geführt haben mit der Bemerkung, er sei der vielleicht erste Jude, der mit Hitler richtig viel Kohle gemacht habe. Auf jeden Fall traf er in Berlin, wie immer, wenn es die Deutschen mit ihrer Nazi-Vergangenheit zu tun bekommen, schon auf sensible Nerven: Die zu Werbezwecken am Spielort aufgehängten Banner wiesen – witzige – absichtsvolle Ähnlichkeit mit Nazi-Flaggen auf.

Auch die Farce auf der Bühne ist danach, deutsche Gemüter zu erregen. Und zu amüsieren. Denn geboten wird ein virtuoses Kunstwerk. Die Geschichte: Zwei in finanzielle Misere geratene Theaterbesessene in New York Ende der 50er Jahre glauben, dass ihr Hitler-Musical total floppt, was sie – Buchhalterkniff – vor dem Ruin retten würde. Aber die schillernde Show wird ein Erfolg.

Damals schon eine TV-Legende, schrieb und inszenierte Brooks 1968 mit »The Producers – Frühling für Hitler« seinen ersten Kinofilm. Aus ihm wurde 2001 ein jahrelang erfolgreiches, mit Preisen überschüttetes Broadway-Musical, und aus diesem wiederum 2005 eine Neuverfilmung. Die deutschsprachige Musical-Inszenierung begeisterte 2008 Wien. Jetzt ist sie umjubelt an der Friedrichstraße.

Brooks erscheint als ein fröhlicher, unverschämter Leichtgeist, der mit – für deutsche Ohren oftmals makabrem – Wortwitz brilliert. Ist aber im Inneren der traurige Komödiant, dem nur noch das Weglachen des Grausigen, das hemmungslos ins Absurde Treiben der Vorurteilsklischees von den Schwachen der Gesellschaft gelingt. Der geniale Klamauker: »Wenn man etwas Wichtiges zu sagen hat, dann sollte man es mit ganz viel Humor sagen«. Er ist darin schonungslos.

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