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Hohe Hürden zum Herzen

Partner »Shoppen« kann man im Theater am Kurfürstendamm

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: 3 Min.

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So sind wir. Allein will keiner bleiben. Die Hürden zu unserem Herzen errichten wir indes so hoch, dass es kaum einer hinüber schafft. Viele Berliner, über eine Million, leben als Single. So bezieht sich das Theater am Kurfürstendamm auf das Amt für Statistik Berlin/Brandenburg und hält das Stück zum Thema bereit. »Shoppen« hat 2007 als Film von Ralf Westhoff Furore gemacht, war 2008 für den Deutschen Filmpreis gleich in zwei Kategorien nominiert. Westhoff gewann den Bayerischen Filmpreis als bester Nachwuchsregisseur. Solch Erfolg lässt das Theater nicht ruhen: 2008 war Uraufführung in Bielefeld.

Jürgen Popigs spritzige Dialoge hetzen nun am Kurfürstendamm je fünf Frauen und Männer aufeinander. Alle sind sie Partnersuchende, haben fixe oder verkorkste Vorstellungen vom idealen Pendant, was zu Komik, Tragikomik, bisweilen ehrlichen Bekenntnissen führt. Ort des Zusammentreffens ist ein bändergesäumter Raum, den Cary Gayler entworfen hat. Licht lässt die Flattervorhänge glitzern, durch die die Teilnehmer hereinflirren. Speeddating heißt, wofür sie sich gemeldet haben. Fünf Minuten Zeit bleiben jedem Paar sich kennenzulernen, dann ruft ein Gong zur nächsten Runde.

Schon die Einzelpräsentation der Kandidaten voller Neurosen, Marotten, Erwartungen lässt nichts Gutes ahnen. Falk erhofft sich die einzig wahre Liebe, Susanne fordert mehr, als sie geben will, die pummlige Mediha ist neu in der Stadt und zirpt in Vorfreude, der eitle Patrick hat gerade seine Ex abserviert, der bayerische Holzhändler Jürgen quartiert sich bei einem Bekannten ein. Sex sei ihr Hobby, bekennt Susanna, und die schüchterne Irina hat die Karte fürs Speeddating von ihren Kolleginnen im Krankenhaus geschenkt bekommen. Keine guten Voraussetzungen für die Kuppelaktion, wohl aber für einen höchst amüsanten Theaterabend mit reichlich Realitätsgehalt.

Auf Silberhockern posieren die Kandidaten so, wie sie gern gesehen werden möchten. Schon die ersten Gesprächsrunden offenbaren Differenzen und mangelnde Bereitschaft, sich auf den anderen einzustellen. Einer schockt mit seinem Katalog krampfiger Fragen. »Du bist die Umweltverschmutzung«, schreit eine andere den an, der ihr Auto kritisiert. Sie liebt Klassik, er ist im Schützenverein, er will ihr zur Freude kochen, sie aber ist Vegetarierin, steht einzig auf sein Frischfleisch. »Man muss sagen, was man denkt, sonst zerreißt es einen«, »ich will mir Sorgen um jemanden machen können«, brechen Wünsche hervor.

Was im ersten Teil nach dem Reigenprinzip funktioniert, lässt Regisseurin Katja Wolff nach der Pause süffisant mit Paaren weiterlaufen: Wer wen treffen will, kommt nun mit ihm/ihr auch zusammen. »Schnäppchen mit Designerstück«, »Abenteuerurlaub mit Pauschalreise« – so hatten sie sich zuvor noch angezetert. Dass auch dies nicht reibungslos und schon gar nicht erfolgreich verläuft, darf man voraussetzen. Bandscheibe und Katzenallergie etwa vereiteln geplanten Sex, Namensverwechslung vereint die Falschen. Eine hat sich Mut angetrunken und verliert sich in urkomischer Tanzeinlage mit peinlichem Ausgang. Abgewiesen singt einer playback »What a difference a day makes«.

Nur bei einem Paar scheint es gefunkt zu haben. Allein das rechtfertigt schon den komödiantischen Aufwand, mit dem sich das Zehner-Team ins Zeug schmeißt. Wobei die Frauen stärker wirken. Warum wohl?

Bis 19.7., Theater am Kurfürstendamm, Kurfürstendamm 206/209, Charlottenburg, Kartentelefon 88 59 11 88, Infos im Web unter www.komoedie-berlin.de

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