Werbung

Vietnamese in Marzahn erstochen

Streit zwischen Zigarettenhändlern möglich / Gewalt niedriger als in den 90ern

Peter Kirschey aus Berliner Gerichtssälen
Peter Kirschey aus Berliner Gerichtssälen

In der Nacht zum Donnerstag wurde ein 24-jähriger Vietnamese in Marzahn erstochen. Zeugen hatten kurz vor Mitternacht vor einem Supermarkt in der Marzahner Promenade einen Streit unter Landsleuten beobachtet und die Polizei verständigt, sagt Sprecher Guido Busch. Die Polizei nahm am Tatort fünf tatverdächtige Vietnamesen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren fest. Das Opfer wurde mit lebensbedrohlichen Stichwunden in ein Krankenhaus gebracht, wo es am Donnerstag seinen Verletzungen erlag.

Ob es sich bei der Tötung um eine Auseinandersetzungen unter vietnamesischen Zigarettenhändlern handelt, ist Gegenstand der Ermittlungen. Sollte sich diese Vermutung bestätigen, wäre es der erste derartige Fall seit den 90er Jahren. Bisher seien die Motive und der Tathergang aber noch völlig unklar, sagt Busch. Nur die Identität der Beteiligten stünde fest.

Gerd Bergjahn, Leiter des Kommissariats zur Bekämpfung der organisierten vietnamesischen Kriminalität spricht von einer Zunahme von Gewalt- und Rohheitsdelikten »einschließlich Raub und Erpressungstaten« seit Anfang 2008. Es handle sich dabei ausschließlich um innervietnamesische Kriminalität. »Allerdings muss man auch deutlich sagen, wir verzeichnen nicht auch nur annähernd solche Gewaltauswüchse wie wir sie Mitte der 90er Jahre in Berlin hatten.«

Damals wurden fast 40 Vietnamesen Opfer blutiger Kämpfe um die Vorherrschaft im illegalen Zigarettenhandel. Polizei und Justiz war es gelungen, die meisten Morde aufzuklären, die Täter zu verurteilen und die Banden zu zerschlagen. Anders als damals gebe es heute, so Bergjahn, keine Schusswaffen unter vietnamesischen Kriminellen. Auch die Bereitschaft der rechtschaffenden Vietnamesen, die seit vielen Jahren in Deutschland leben, zur Zusammenarbeit mit der Polizei habe deutlich zugenommen. Allerdings kommen immer noch Vietnamesen neu nach Deutschland, die hier keine legale Perspektive haben und von Banden in kriminelle Strukturen erpresst werden.

Die Gewaltdelikte finden laut Bergjahn »zum allergrößten Teil, aber nicht ausschließlich unter Zigarettenhändlern bzw. Händlergruppierungen statt«. Am schwerwiegendsten seien Auseinandersetzungen, »bei denen Gruppierungen versuchen, Verkaufsplätze zu übernehmen oder zu verteidigen, sich Schlägerbanden zusammensuchen, bei denen mit purer Gewalt gegen Zigarettenhändler systematisch vorgegangen wird.«

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Als unabhängige linke Journalist*innen stellen wir unsere Artikel jeden Tag mehr als 25.000 digitalen Leser*innen bereit. Die meisten Artikel können Sie frei aufrufen, wir verzichten teilweise auf eine Bezahlschranke. Bereits jetzt zahlen 2.600 Digitalabonnent*innen und hunderte Online-Leser*innen.

Das ist gut, aber da geht noch mehr!

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen und noch besser zu werden! Jetzt mit wenigen Klicks beitragen!  

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!