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Bausparen. Hausfinanzierung, Immobilien als Geldanlage

Teil 14 – Mit »Forward-Darlehen« auf künftige Zinsentwicklungen wetten

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Wer früher ein Bau-Darlehen aufgenommen hat, dessen Zinsbindung jetzt ausläuft, kann sich glücklich schätzen, denn die Zinsen für die Anschlussfinanzierung sind heute so günstig wie selten zuvor. Nutznießer davon sind einige hunderttausend Häuslebauer, die mit einem solchen Kredit ihre Immobilie finanzieren und deren Altverträge nun auslaufen. Was aber sollen Darlehensnehmer tun, deren Zinsbindung erst in ein, zwei, drei oder vier Jahren endet?

Wer befürchtet, dass die Zinsen wieder ansteigen werden, kann alternativ ein sogenanntes Forward-Darlehen abschließen. Mit einem solchen modernen Finanzprodukt werden schon heute die Konditionen für die spätere Anschlussfinanzierung vereinbart. Bankkunden sichern sich damit gegen einen zukünftigen Zinsanstieg ab.

Gleichzeitig legt sich der Kunde allerdings auch für lange Zeit fest, denn ein Forward-Darlehen ist keine Option, keine Eventualität, die man einfach wahrnehmen oder nicht wahrnehmen kann. Im Gegenteil, der Darlehensnehmer verpflichtet sich zur Abnahme des Kredits. Nimmt er ihn nach ein, zwei, drei oder vier Jahren nicht in Anspruch, droht ihm sogar eine Schadensersatzforderung durch die Bank.

Unterm Strich hat die Zinssicherheit, die ein Forward-Darlehen bietet, also auch ihren Preis: Wenn die Zinsen bis zum Ende des bisherigen Darlehens sinken, hätte man ohne Forward-Darlehen einen günstigeren Kredit kaufen können.

Wie sich die Zinsen künftig entwickeln, kann jedoch niemand mit Sicherheit voraussagen. Mehrheitlich tippen die Experten, dass die Zinsen mittelfristig wieder steigen werden und möglicherweise in den nächsten Jahren sogar ein sehr kräftiger Anstieg droht. Begründet werden solche Erwartungen vor allem mit der Politik der Zentralbanken und Regierungen in aller Welt, die rund um den Globus Billionen in die Weltwirtschaft pumpen, um die Finanz- und Wirtschaftskrise zu stoppen. Andererseits zeigt das Beispiel Japan während der 1990er Jahre, dass sich eine wirtschaftliche Erholung quälend lange hinziehen kann und die Zinsen über ein Jahrzehnt lang auf einem extrem niedrigen Niveau verharren können.

Vor diesem ungewissen Hintergrund ist jeder Abschluss eines Forward-Darlehens faktisch zugleich eine Zinsspekulation: Nur wenn die Zinsen künftig steigen, würde sich der heutige Abschluss eines Forward-Darlehens auszahlen.

Viele LeserInnen des Neues Deutschland, deren Zinsbindung in den nächsten Jahren endet, werden eine solche Spekulation aus politischen Gründen ablehnen. Doch sollten Sie sich klarmachen, dass man einer solchen Zinsspekulation letztlich gar nicht entfliehen kann. Selbst wenn Sie kein Forward-Darlehen abschließen, spekulieren sie faktisch auf gleichbleibende oder auf sinkende Zinsen! Denn nur mit dieser Erwartung ist es sinnvoll, die Anschlussfinanzierung nicht auf heute vorzuziehen, sondern einfach bis zum Zinsbindungsende abzuwarten.

Ein Verbraucher-Dilemma, aus dem es moralisch und politisch kein Entrinnen gibt. Was also tun? »Jeder Darlehensnehmer, der seinen Kopf nicht einfach in den Sand stecken will, sollte sich mit der Frage eines Forward-Darlehens auseinandersetzen«, rät Verbraucherschützer Arno Gottschalk angesichts des Dilemmas.

Auch bei Forward-Darlehen lohnt der Vergleich von mehreren Angeboten. Die Zinsunterschiede zwischen den einzelnen Kreditinstituten sind erheblich:

– Die effektiven Zinsen für ein Forward-Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung liegen nach einer Übersicht der Verbraucherzentralen zwischen 4,06 und 4,90 Prozent bei einem Jahr Vorlaufzeit;

– zwischen 4,19 und 5,05 Prozent bei zwei Jahren Vorlauf und

– zwischen 4,31 und 5,18 Prozent, wenn die Anschlussfinanzierung in drei Jahren erfolgt. Doch, der klein erscheinende Zinsunterschied von beispielsweise 0,8 Prozentpunkten kann Ihnen letztlich teuer zu stehen kommen. Er macht bei einem Darlehen von 100.000 Euro, das über zehn Jahre läuft, einen Unterschied von über 8.000 Euro aus.

HERMANNUS PFEIFFER

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