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Stolpersteine für Arbeiterwiderstand

Initiative erinnert an 15 Opfer des Faschismus aus der Gruppe Gruppe Saefkow, Jacob, Bästlein

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Anton-Saefkow-Platz
Der Anton-Saefkow-Platz

Heute und morgen verlegt Gunther Demnig 15 Stolpersteine zur Erinnerung an den Arbeiterwiderstand in Wedding, Prenzlauer Berg und Mitte. Der Kölner Künstler lässt die Steine dort ein, wo hingerichtete und in der Haft zu Tode gekommene Widerstandskämpfer aus der Organisation Saefkow-Jacob-Bästlein zuletzt gewohnt haben. Angekündigt hat dies die Initiative Stolpersteine der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA).

Bärbel Schindler-Saefkow
Bärbel Schindler-Saefkow

»Vor drei Jahren riefen Bärbel Schindler-Saefkow, Anette Neumann und Susanne Riveles, Töchter von zum Tode verurteilten Widerstandskämpfern, die Initiative ›50 Stolpersteine für den Arbeiterwiderstand‹ ins Leben«, erläutert Hans Coppi den Hintergrund. »Bis Mitte Juni werden 48 Steine verlegt sein«, schreibt er in einem Beitrag für »Unser Blatt«, die Zeitschrift der Berliner VVN-BdA. Die Differenz erklärt Coppi dem ND so: In zwei Fällen stellte es sich heraus, dass andere bereits dafür gesorgt hatten, dass Stolpersteine für diese Menschen verlegt werden. Die Initiative »50 Stolpersteine für den Arbeiterwiderstand« kümmerte sich um jene Opfer des Faschismus, an die bislang nicht anderweitig erinnert wird – etwa, indem eine Straße nach ihnen benannt ist.

Susanne Riveles
Susanne Riveles

Coppi schildert, wie Anton Saefkow und Franz Jacob seit Ende 1942 eine weit verzweigte Organisation in über 70 Berliner Betrieben aufbauten. Über 500 Männer und Frauen, Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter, Arbeiter, Angestellte, Soldaten und Künstler gehörten dazu. »Sie wollten Hitler stürzen und den Krieg beenden helfen.«

Mit Billigung Stauffenbergs trafen die Sozialdemokraten Julius Leber und Adolf Reichwein 1944 die Kommunisten Saefkow und Jacob, um ein mögliches Zusammenwirken zu sondieren – »ein im Umfeld der Verschwörung des 20. Juli einzigartiger Vorgang«, wie Coppi betont. Infolge von Verrat wurden im Sommer 1944 fast 300 Menschen verhaftet. »100 Männer und Frauen wurden hingerichtet oder starben während der Haft und in Konzentrationslagern. Andere, die fliehen oder untertauchen konnten, setzten den Kampf fort.«

Der erste der 15 Stolpersteine wird heute um zirka 9 Uhr für Heinz Rosenberg am Märkischen Ufer 20 in Mitte verlegt. Gegen 10.15 Uhr erfolgt die Verlegung des Steins für Hedwig Hartung in der Kastanienallee 29 in Prenzlauer Berg.

Morgen gegen 7.30 Uhr erhalten Georg Dimentstein und anschließend Willi Jungmittag ihre Stolpersteine in der Grellstraße 18, beziehungsweise in der Gubitzstraße 47a in Prenzlauer Berg. Ab zirka 10.30 Uhr folgen Gerda Kafka, Bergener Straße 1 in Prenzlauer Berg, und in Wedding Egmont Schulz, Soldiner Straße 8, Herman Korus, Heinz-Galinski-Straße 8, Georg Leichtmann, Schulstraße 51, Willi Bolien, Maxstraße 12, Otto Kroeger, Groningerstraße 27, Paul Knorr, Bornemannstraße 14, Herbert Schenk, Gerichtsstraße 22, Erich Dawideit, Brunnenstraße 118, Heinz Lehmann, Swinemünder Straße 83 sowie in Prenzlauer Berg Melchior Gruda, Korsörer Straße 18.

Der großen Widerstandsgruppierung Saefkow-Jacob-Bästlein ist außerdem eine Ausstellung gewidmet, die am 18. Juni um 18 Uhr im Foyer der Kommode am Bebelplatz eröffnet. Dort ist sie bis zum 23. Juli zu sehen. Die Kommode beherbergt die Juristische Fakultät der Humboldt-Universität. Im Raum 144 des Gebäudes wird am 24. Juni um 19 Uhr an die zehn mit Stolpersteinen gewürdigten Widerstandskämpfer aus Mitte und Wedding erinnert. Eine weitere Veranstaltung zu den fünf Widerstandskämpfern aus Prenzlauer Berg findet am 1. Juli um 19 Uhr im PIB/La Bohéme in der Winsstraße 12 statt. »An beiden Veranstaltungen nehmen Angehörige teil«, so die Initiative Stolpersteine.

In der Ausstellung erfahren die Besucher auf 20 Tafeln, wie unter schwierigsten Bedingungen illegale Arbeit organisiert wurde, heißt es. Ein besonderer Schwerpunkt der Widerstandsorganisation sei dabei die solidarische Zusammenarbeit mit Zwangsarbeitern in der Berliner Rüstungsindustrie gewesen.

Ausstellung »Weg mit Hitler – Schluss mit dem Krieg!«, Unter den Linden 11 (Eingang Bebelplatz), 18. Juni bis 23. Juli, Mo. bis Fr. von 10 bis 19 Uhr, Sa. von 10 bis 14 Uhr, Eintritt frei

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