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»Alles nur Gerede«

Die Dopingaufarbeitung bleibt schwierig

  • Von Christian Heinig
  • Lesedauer: 3 Min.

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Dieses Lächeln am Schluss, es entlarvte Winfried Hermann als einsamen Bootsmann auf hoher See. »Bereits vor anderthalb Jahren haben wir die Mittel dazu bewilligt«, hatte Hermann zuvor in Richtung des Ausschuss-Vorsitzenden gesagt – als die Rede vom geplanten Forschungsauftrag war, der Doping in Ost und West aufarbeiten soll, dessen Vergabe allerdings nach wie vor offen ist. Es war der vorletzte Satz an diesem Mittwochnachmittag.

Der letzte kam vom Vorsitzenden des Bundestags-Sportausschusses selbst. Diese Verzögerung, entgegnete SPDler Peter Danckert dem Bündnis-Grünen Hermann, »zeigt ja auch, dass gründlich geprüft wird« – ohne den Zusatz »sehr lang« zu verwenden, was in Anbetracht dieser Zeitspanne durchaus gerechtfertigt gewesen wäre, Hach, na dann: Hermann lächelte, Mikro aus, Ende der Sitzung.

Winfried Hermann, der sportpolitische Sprecher der Grünen, hatte ein anderes Ende im Sinn. Seine Partei hatte den Antrag gestellt, die Dopingvergangenheit umfassend aufzuarbeiten. Nicht per Forschungsauftrag, sondern per Gesetz. Folgen wollte ihm allerdings keiner der übrigen 15 Ausschussmitglieder, nicht die Vertreter der Großen Koalition, die dagegen votierten, und auch nicht die FDP und die LINKE, die bei der Abstimmung gar nicht mehr im Saal waren.

Oben auf der Zuschauertribüne im Saal 4800 des Paul-Löbe-Hauses saß Andreas Krieger, ein Opfer des DDR-Dopingsystems. Krieger hatte 1986 als Heidi Krieger den Europameistertitel im Kugelstoßen gewonnen, später musste sie sich wegen den Folgen des Dopings einer Geschlechtsumwandlung unterziehen. »Alles nur Gerede«, echauffierte sich Krieger. »Keiner will so richtig an der Vergangenheit rühren.«

Vor zwei Monaten hatten fünf heute tätige Leichtathletiktrainer erklärt, zu DDR-Zeiten in das Dopingsystem verstrickt gewesen zu sein. Das Urteil aus Politik und Sport: Begnadigung. »Wenn ein Trainer ein Geständnis ablegt, sich bei den Opfern entschuldigt, so hat er das Anrecht auf eine zweite Chance«, erklärte Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, der als Berichterstatter im Sportausschuss saß. Der Großteil der Runde nickte.

Hermann bezeichnete diesen Umgang mit dopingbelasteten Trainern und Funktionären, ganz gleich, ob aus Ost oder West, »als inkonsistent«. Er sprach von »Konsequenzen«, die die Politik ziehen müsse. Stichwort Gesamtaufarbeitung, auch im Westen, etwa bei den Dopingaktivitäten an der Universität Freiburg, wo staatliche Mittel an Trainer, Ärzte und Betreuer geflossen seien. Deshalb forderte seine Fraktion in dem Antrag, gezahlte Steuergelder bei Überführten einzuklagen und diese den Dopingopfern zukommen zu lassen.

Ein Vorstoß, der im Saal wenig Zustimmung fand. Peter Danckert monierte lediglich, die Erklärung der fünf Trainer sei »blutleer«. Christoph Bergner (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, verwies darauf, »dass keine Rückforderung von Mitteln vor einem Verwaltungsgericht Bestand hätte«.

Nun soll es eine »moralische Aufarbeitung« geben, so Vesper, einen Runder Tisch mit Trainern und Opfern. Die Gespräche sollen nicht öffentlich stattfinden. Und Winfried Hermann? Der muss wohl auf den Forschungsbericht warten, um Antworten zu erhalten. Der muss nämlich erst noch vom DOSB in Auftrag gegeben werden.

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