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Deutsche Bahn kauft sich ein gutes Gewissen

»Zug der Erinnerung« fordert Hilfsfonds für Reichsbahn-Deportierte

  • Von Christian Klemm
  • Lesedauer: 2 Min.

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Die Deutsche Bahn (DB) drückt sich seit Jahren um Entschädigungen für die von der Reichsbahn deportierten Opfer des Nationalsozialismus. Jetzt hat sie eine Stange Geld gespendet. Was damit passiert, ist offen.

Der Streit zwischen der Deutschen Bahn AG und dem Verein »Zug der Erinnerung« nahm gestern eine neue Richtung. Nachdem bereits am Donnerstag Bahnchef Rüdiger Grube im Beisein von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung, Zukunft« (EVZ) eine Spende über 175 000 Euro übergab, scheint sich eine Zusammenarbeit zwischen Bahn, Stiftung und Verein anzudeuten: Wie ND von Franka Kühn, Sprecherin der EVZ erfuhr, ist die geleistete Bahnspende für die »Fortsetzung des ›Zuges der Erinnerung‹« bestimmt. Es sei ein »hervorragendes Projekt«, so Kühn, dass unbedingt weitergeführt werden müsse. Eine Refinanzierung von bereits geleisteten Kosten des Vereins durch Gelder aus der Spende schloss sie dagegen aus.

Die EVZ fördert internationale Initiativen für Demokratie und Menschenrechte sowie Projekte zur Unterstützung von Opfern des Nationalsozialismus. Ob sie die gesamte Spende an den Verein weiterreicht, ist offen. Auf eine konkrete Summe wollte sich Kühn nicht festlegen. Letztendlich aber entscheidet die Stiftung als Zuwendungsgeber eigenverantwortlich über die gespendeten Mittel.

In den vergangenen Jahren kam es zu heftigen Streitigkeiten zwischen dem »Zug der Erinnerung« und dem Verkehrskonzern. Das Projekt erinnert an die rund 1,5 Millionen Kinder und Jugendlichen, die von der Reichsbahn, einem Vorgänger der Deutschen Bahn AG, in die NS-Vernichtungslager transportiert wurden. Die mobile Ausstellung wurde auf 96 Bahnhöfen gezeigt und hatte nach Vereinsangaben 330 000 Besucher. Eine Entschädigung an die noch lebenden Opfer der Deportationen leistete die Bahn nicht. »Keinen einzigen Cent«, wie Hans-Rüdiger Minow, Vorsitzender des »Zuges der Erinnerung«, gegenüber ND betonte.

2008 und 2009 musste der Verein mehr als 150 000 Euro zahlen, um die Infrastruktur der Bahn nutzen zu können. Aufgrund des geltenden Rechtsrahmens, wie der Konzern behauptet und seit einigen Wochen mit einem Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags zu beweisen versucht. Beglichen wurde diese saftige Rechnung durch Spenden der zahlreichen Ausstellungsbesucher.

Wie der »Zug der Erinnerung« gestern mitteilte, sollen Teile der 175 000 Euro in einen Hilfsfonds fließen. Daraus möchte der Verein überlebende Opfer der Deportationen unterstützen. Der Umfang des Fonds müsse den Deportationseinnahmen der früheren »Reichsbahn« entsprechen, heißt es. Wie hoch diese damals waren, ist bis heute unbekannt. Es gebe nämlich keine Aufstellung oder Untersuchung darüber, so Minow.

Bahnchef Grube begrüßte die Spende an die EVZ. »Wir haben jetzt mit der Stiftung ›Erinnerung, Verantwortung, Zukunft‹ den richtigen Adressaten für diese Spende gefunden«, sagte Grube. »Die Erinnerungsarbeit an die Verstrickungen der Reichsbahn mit dem NS-Regime ist ein elementarer Teil der Unternehmenskultur der DB.«

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