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Altersvorsorge im »grünen Mäntelchen«

Die betriebliche Rentenversicherung entdeckt das nachhaltige Investieren

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Vier Billionen Euro fließen deutschlandweit in die betriebliche Altersvorsorge – und könnten ganz nebenbei die Umwelt verbessern. Doch noch hinkt die Finanzbranche in Sachen Umweltschutz hinterher.

Die Deutschen gelten international als Vorreiter beim Umweltschutz. So wünschen sich von 100 Beschäftigten mit einer betrieblichen Altersvorsorge 86, dass mit ihrem Geld umweltverträgliche Produkte hergestellt und keine Menschenrechte verletzt werden. Trotzdem hinkt die Finanzbranche bei der sogenannten Nachhaltigkeit den Kundenwünschen hinterher.

Dabei geht es um gewaltige Summen. Das Volumen der kapitalgedeckten betrieblichen Altersvorsorge (bAV) in Deutschland wird sich bis 2030 von rund 400 Milliarden Euro auf 4000 Milliarden Euro verzehnfachen. Wie und wo diese vier Billionen angelegt werden, ist nicht allein für die späteren Rentner wichtig, sondern entscheidet auch über die ökonomische und ökologische Entwicklung unseres Landes mit.

Eine Teilschuld an dem Ausein-anderklaffen von Wunsch und Wirklichkeit gibt Axel Hesse den richtungsweisenden Geldgiganten: »Als größte Barriere konnte das Fehlen aktiver, nachhaltiger Vorreiter unter den institutionellen Investoren ausgemacht werden.« Hesse ist Berater der SD-M Sustainable Development Management in Münster und Autor der Studie »Betriebliche Altersvorsorge und nachhaltige Investments«, die im Auftrag des Bundesumweltministeriums erstellt wurde. Das Fazit der Studie: Es existiert noch ein »erheblicher Spielraum« für mehr Öko in der privaten Rentenversicherung. »Dennoch gibt das Ergebnis Anlass zur Hoffnung«, meint Hesse. Immerhin habe jeder fünfte der 282 bAV-Anbieter mittlerweile in irgendeiner Form nachhaltig investiert.

Und der Trend zeigt weiter in Richtung »Rot-Grün«. »Die Anbieter berücksichtigen zunehmend ethische, soziale und ökologische Kriterien bei ihren Geldanlagen«, versichert Fortis Investments. Die Tochtergesellschaft der französischen Großbank BNP Paribas setzt dabei nicht allein auf ökologischen Weitblick und altruistische Gutmenschen, sondern, wie viele Konkurrenten, auf höhere Profitraten. Martin Theisinger von Fortis: »Die Studie bekräftigt, dass nachhaltige Investments nicht nur ökologischen Ideen Rechnung tragen, sondern dank ihrer langfristigen Renditeaspekte zurecht in die Altersvorsorge der Anleger gehören.«

Der Preis, der für eine Chance auf überdurchschnittliche Renditen bezahlt werden muss, ist jedoch ein höheres Risiko bei der Geldanlage. Bislang legen bAV-Anbieter etwa 85 Prozent ihres Kapitals in festverzinsliche Wertpapiere an. Diese haben jedoch nur selten einen grünen Kern, denn die typische Ökoanlage kommt als Aktie oder Unternehmensbeteiligung daher. Zudem sind die Negativ- und Positivkriterien oft so vage formuliert, dass umstrittene Unternehmen leicht unter ein grünes Mäntelchen schlüpfen können.

So wurde die Deutsche Bank kürzlich von der Weltbanktochter IFC in London für den Preis »Nachhaltigkeitsbank des Jahres« nominiert. Markus Duffner vom Dachverband Kritische Aktionäre hält die Nominierung für »einen Skandal«. In Vergleichsstudien mit Finanzdienstleistern habe die Deutsche Bank sogar schlecht abgeschnitten. Duffner: »Sie gehört eindeutig zu den internationalen Schlusslichtern auf dem Gebiet der Umwelt- und Sozialstandards.« So finanziere die Großbank die Bergbaugiganten Vedanta und Freeport, die Umweltgesetze umschiffen und ihren Abraum einfach ins Meer kippen.

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