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Unbeugsam

Es war ruhiger geworden in den vergangenen Wochen, nach dem Verbot öffentlicher Proteste auf den Straßen Irans. Aber es war nur die Ruhe vor einem neuen Sturm. Wenn das Mullah-Regime gehofft haben sollte, dass man die Machtkrise aussitzen könne, der gestrige Tag dürfte Präsident Mahmud Ahmadinedschad und den hinter ihm stehenden obersten geistlichen Führer des islamischen Gottesstaates, Ayatollah Ali Chamenei, endgültig eines Besseren belehrt haben. Hunderttausende Oppositionelle nutzten das traditionelle Freitagsgebet zu neuen massiven Protesten gegen die Teheraner Regierung. Der einstige Präsident und einflussreiche Kleriker Akbar Hashemi Rafsandschani, der heute zwei der mächtigsten Gremien der Republik vorsteht, forderte die Freilassung all jener, die bei den Demonstrationen nach dem umstrittenen Urnengang festgenommen worden sind. Er warf der Teheraner Führung vor, nicht genügend Toleranz gegenüber dem eigenen Volk zu besitzen und rief in seinem Gebet zu einer offenen Debatte über die Präsidentenwahl auf, da noch immer viele Iraner das Ergebnis anzweifelten.

Es war ein Appell zum politischen Dialog, an beide Seiten. Die Antwort des Regimes: Tränengas, Knüppel und neue Festnahmen. Doch Rafsandschanis Auftritt belegt auch, wie tief der Riss im iranischen Establishment inzwischen ist. Und er macht es Ahmadinedschad schwer, hinter allem nur den langen Arm des Auslands zu beschwören.

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