Werbung

Statt S-Bahn: Umsteigen auf die BVG

Ab Montag Härtetest im Nahverkehr / CDU fordert zwei Monate freie Fahrt als Entschädigung

Ab Montag müssen sich die Berliner neue Wege durch die Stadt suchen. Da die S-Bahn nur noch auf Rumpfstrecken fährt, bietet sich die BVG als Alternative an. U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse sollen häufiger fahren als ursprünglich im Ferienfahrplan vorgesehen. Das ist das Ergebnis eines Krisentreffens von Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) mit Spitzenvertretern des öffentlichen Nahverkehrs .

Angesichts des Notstands holt die BVG alle verfügbaren Busse aus den Depots. Sie sollen vor allem die X- und M-Linien verstärken, die wegen der S-Bahnausfälle besonders gefragt sind. Bis auf die U 4 verkehren alle U-Bahnlinien von Montag an tagsüber im Fünf- Minuten-Takt und in maximaler Zuglänge. Auch die Straßenbahnzüge werden verlängert, die stark nachgefragte Linie M 4 fährt ab Freitag statt alle fünf alle vier Minuten. Dadurch erhöht sich das Platzangebot bei der U-Bahn um zehn, bei der Straßenbahn um 25 Prozent. »Wir aktivieren alle Reserven«, so BVG-Sprecherin Petra Reetz. Mitarbeiter würden aber nicht aus dem Urlaub geholt, »die brauchen wir hier nach den Ferien«. Dann werde das Angebot je nach Bedarf angepasst.

Das zusätzliche Angebot soll die Folgen mildern, die vom Ausfall der zentralen S-Bahn-Verbindungen in der Innenstadt zu erwarten sind. Bis zum 10. August kann nur noch jeder dritte S-Bahn-Zug eingesetzt werden. Auf der Stadtbahn zwischen Ostbahnhof und Zoo geht für mindestens drei Wochen gar nichts mehr, auch auf weiteren sechs Abschnitten im Randnetz ist der S-Bahn-Verkehr eingestellt (siehe Karte).

Als Ersatz fahren auf der Stadtbahn sieben Regionalzüge pro Stunde zwischen Ostbahnhof und Zoo. Zudem richtet die Bahn im Fernbahntunnel zur Entlastung von S 1 und S 2, die nur noch im 20-Minuten-Takt fahren, mit Münchner S-Bahnen eine Verbindung zwischen Südkreuz, Hauptbahnhof und Gesundbrunnen ein.

Nach Angaben Junge-Reyers wird die S-Bahn die zusätzlichen Verkehrsleistungen direkt bei der BVG und anderen Verkehrsunternehmen bestellen. Überdies werde der Bahnkonzern seiner S-Bahntochter mit eigenen Bussen aushelfen. Die Kosten für die Bestellung dieser zusätzlichen Verkehrsleistungen sollen mit den einbehaltenen Geldern aus dem S-Bahnvertrag verrechnet werden. Es bleibe aber noch viel übrig, so Manuela Damianakis, Sprecherin der Verkehrssenatorin. Allein für Juni und Juli zahlt der Senat 20 Millionen Euro weniger an die S-Bahn.

Laut Jens Wiesecke, Vizechef des Fahrgastverbandes IGEB, hat es ein solches Desaster bei einen deutschen Bahnunternehmen noch nicht gegeben. Er fordert Nachbesserungen beim S-Bahn-Ersatzverkehr. Lediglich Vier-Wagen-Züge alle 20 Minuten ins Umland seien zu wenig, zur Not müssten die Linien im Nord-Süd-Tunnel ganz eingestellt werden. »Wichtig ist, das die Menschen bis zur Ringbahn kommen.«

Die CDU fordert als Entschädigung für die Fahrgäste zwei Monate freie Fahrt. Wer für Juli und August 2009 Monatskarten erworben hat, solle diese an S-Bahnschaltern gegen zwei weitere – und damit kostenlose – Monatskarten eintauschen können, Landes- und Fraktionschef Frank Henkel. Abonnenten sollten den Kaufpreis für zwei Monate erstattet bekommen. Die Bahn hat Stammkunden einen Monat freie Fahrt im Dezember angeboten. Die Grünen-Fraktionschefs Franziska Eichstädt-Bohlig und Volker Ratzmann fordern unterdessen die Entlassung der »überforderten« Verkehrssenatorin, die sich zudem »vor Berlins größter Verkehrskrise« in den Urlaub »verdrücken« würde. Aus ihrer Verwaltung hieß es jedoch, Junge-Reyer bleibe in der Nähe Berlins und stehe »Gewehr bei Fuß«.

Die Notfahrpläne im Internet unter www.s-bahn-berlin.de; S-Bahn-Kundentelefon: 29 74 3333

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!