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Bundeswehr hält's mit Brecht – und verliert

Afghanistan: Militärische Offensiven für ein passendes Wahlergebnis

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Am 20. August wählen die Afghanen einen neuen Präsidenten. Der Westen hat Wahl-Offensiven gestartet. Ihr Erfolg und der Gewinn für die Demokratie sind fraglich, denn vor allem Militärs sind daran beteiligt.

Für das Präsidentenamt kandidieren 41 Kandidaten, darunter zwei Frauen. Gleichzeitig bewerben sich 3195 Kandidaten um die 420 Sitze in den Provinzen. Liest man eine der üblichen Afghanistan-Verlautbarungen aus dem Auswärtigen Amt, so entfernt man sich mit jeder Zeile weiter von der dort herrschenden und zum Teil sehr grausamen Wirklichkeit.

Ein Beispiel von gestern. »Die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen standen im Mittelpunkt der Gespräche des Sonderbeauftragten für Afghanistan und Pakistan, Bernd Mützelburg, in Kabul. Neben Präsident Hamid Karsai traf er auch Präsidentschaftskandidat Mirwais Yasini, Sicherheitsberater Zalmay Rassoul sowie den Innenminister Hanif Atmar ...

Karsai dankte der Bundesregierung für ihre nachhaltige Unterstützung für Afghanistan und hob das besondere Vertrauen hervor, das Deutschland bei den Afghanen genießt.«

Mützelburg, so liest man, habe versichert, »dass die Bundesregierung die Stabilisierung und den Wiederaufbau Afghanistans weiter nach Kräften unterstützen werde«.

Formeln, die nichts mit dem zu tun haben, was derzeit in Afghanistan passiert. Dort nämlich trifft der Begriff vom Wahlk a m p f exakt zu. Zeitgleich finden an zahlreichen Kriegsschauplätzen Offensiven gegen Taliban und andere Gruppen statt, die sich gegen die westlichen Okkupanten wehren.

Operation »Adler«. Seit dem 19. Juli kämpfen 300 Bundeswehrsoldaten der Schnellen Eingreiftruppe mit schweren Waffen an der Seite von 900 afghanischen Sicherheitskräften gegen den Feind. Wer immer das auch ist, er stellt sich offenbar nicht zur offenen Feldschlacht, sondern weicht aus, gruppiert seine Kräfte um. Um sicher schon in Kürze erneut und überraschend anzugreifen. Wer anderes erwartet hatte, versteht nicht, was mit dem Begriff der asymmetrischen Kriegführung, die man den »Terroristen« zuschreibt, gemeint ist.

Doch nicht nur die Bundeswehr ist in Gefechte verwickelt, die der Bevölkerung zeigen, dass Taliban und andere Aufständische als potente militärische wie politische Kraft ernst zu nehmen sind. Auch belgische Soldaten sind im Norden zum Angriff befohlen. Schwedische und finnische Kameraden müssen den Frust der anderen Seite erleiden. An anderen Orten gingen Statthalter des Kabuler Regimes Waffenstillstandsabkommen mit verschiedenen Warlords und angeblich sogar mit Taliban-Vertretern ein.

In der südlichen Region Helmand haben britische Truppen gerade, gemeinsam mit dänischen und US-Verbänden, ihre Operation »Pantherkralle« beendet und – so Brigadegeneral Tim Radford – den Taliban »physisch und psychisch schwere Verluste« beigebracht. Zahlen, die seine Aussagen belegen, nennt der General nicht.

Diese »Verschwiegenheit« wird offenbar zur Methode. Auch der Befehlshaber der US-Truppen in Afghanistan hat erklärt, künftig keine Zahlen mehr über besiegte oder gar getötete Gegner zu veröffentlichen. Vor den Wahlen ist es eben nicht opportun, mit viel »Feind und und noch mehr Ehr'« zu prahlen.

Aus den wenigen Informationen, die nicht in den westlichen Afghanistan-Informationsfiltern hängen bleiben, lässt sich ableiten: ISAF wie Bundeswehr halten es – wenngleich ungewollt – mit Brecht. Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.


Das Ost-West-Gefälle in der Bundeswehr zeigt sich unter anderem an der Teilnahme bei Auslandseinsätzen.

Laut Verteidigungsministerium sind daran derzeit 6391 Soldatinnen und Soldaten beteiligt. 3143 (49,18 Prozent) kommen aus dem Osten Deutschlands.

Interessant ist der Anteil der Soldaten mit ostdeutscher Herkunft an den einzelnen Dienstgrad-Gruppen: Von den vier beteiligten Generälen und Admiralen kommt keiner aus dem Osten. Von 456 Stabsoffizieren haben 59 (16,57 Prozent) einen Ost-Hintergrund. 214 der 586 sonstigen Offiziere (36,52 Prozent) haben so wie 1025 von 2390 Unteroffizieren mit Portepee (42,89 Prozent) eine Ost-Herkunft. Das betrifft auch 703 von 1227 »normalen« Unteroffizieren (57,29 Prozent) sowie 1142 von 1828 Mannschaftsdienstgraden (62,47 Prozent).

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