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Vierergipfel in Tadshikistans Bergen

Medwedjew will Zentralasien auf Kurs halten

  • Von Irina Wolkowa, Moskau
  • Lesedauer: 2 Min.
Vier Staatschefs werden zugegen sein, wenn am Freitag der vierte Block des mit russischer Hilfe fertiggestellten Sangrudin-Wasserkraftwerks in

Tadshikistan ans Netz geht: Gastgeber Emomali Rachmon, Dmitri Medwedjew, Afghanistans Präsident Hamid Karsai und dessen pakistanischer Amtskollege Asif Ali Zardari.

Der Vierergipfel dürfte nicht nur für Zentralasien Folgen haben. Die Organisation für Kollektive Sicherheit ODKB – das Verteidigungsbündnis der GUS – und die Schanghai-Organisation wollen sich aktiver in das Krisenmanagement am Hindukusch einbringen. Pakistan hat bei der Schanghai-Organisation Beobachter-, Afghanistan Gaststatus. Und Tadshikistan, Mitglied beider Bündnisse, hat wegen einer langen gemeinsamen Grenze höchstes Interesse an Stabilität und einer starken Zentralregierung in Afghanistan. Welchen Beitrag die neue Eingreiftruppe der ODKB dazu leisten kann – allein oder in Kooperation mit der NATO – ist daher ein Thema des Gipfels.

Über die Ergebnisse wird Medwedjew am Sonnabend auf einem informellen ODKB-Gipfel in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek berichten. Dort wird er auch mit dem gerade im Amt bestätigten Präsidenten Kurmanbek Bakijew sprechen. Ebenso wie beim Treffen mit Emomali Rachmon geht es vor allem um die bilateralen Beziehungen, die nicht ungetrübt sind.

Zwar hatte USA-Vizepräsident Joseph Biden in der Ukraine und Georgien letzte Woche die Aufteilung der Welt in Einflusssphären als Relikt des 19. Jahrhunderts kritisiert. Praktisch aber geht der Verdrängungswettbewerb zwischen Russland und den USA in Zentralasien gerade in eine neue Runde. Im Wissen um die strategische Bedeutung ihrer Länder samt Öl- und Gasvorkommen treten die Staatschefs der Region zunehmend selbstbewusster auf und suchen gleiche Nähe zu Moskau wie zu Washington.

Um seine Verbündeten wieder auf Linie zu bringen, greift Russland auch in das Gerangel ums Wasser ein, das in Zentralasien höchst ungleich verteilt ist: 80 Prozent kontrollieren die Gebirgsstaaten Kirgistan und Tadshikistan, die es im Sommer aufstauen, um im Winter ihre Kraftwerke zu betreiben. Mit verheerenden Folgen für Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan in der Ebene: Wassermangel im Sommer, Überschwemmungen im Winter.

Da die Gebirgsstaaten schwach bei Kasse sind, ist Moskau Zahlmeister für neue Wasserkraftwerke. So bekam Kirgistan im März ein 1,7-Milliarden-Dollar-Darlehen für die Schließung der USA-Luftwaffenbasis Manas. Tadshikistan ging dagegen zunächst unter Hinweis auf usbekische Proteste leer aus. Als es daraufhin den USA eine Ersatzbasis anbot, schwenkte Moskau um: Vizepremier Igor Setschin verhandelte in Duschanbe über neue Finanzierungsmodelle.

Offenbar nicht zur vollen Zufriedenheit von Präsident Rachmon. Der legte dem Parlament ein Sprachengesetz vor, das Russisch als zweite Amtssprache abschafft. Was als Spitze gegen Moskau gedacht ist, sei innenpolitischer Sprengstoff, warnten Kenner der Region. Die Tadshiken kommunizieren mit ihren Minderheiten – vor allem Usbeken – in Russisch. Sprachlosigkeit aber war schon öfter der Anfang eines Bürgerkriegs.

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