Werbung

Fair Play auch für die Arbeiter

Kampagne für faire Löhne bei der Fußball-WM zeigt erste Erfolge

In Südafrika wird unter Hochdruck gearbeitet, um die Infrastruktur für die Fußball-Weltmeisterschaft (WM) im nächsten Jahr fertigzustellen. Der Druck auf die Arbeiter wächst – genau wie die Gewinne der Baufirmen durch das sportliche Großevent.

Die Interessen der Arbeiter sollen dabei nicht auf der Strecke bleiben. Das ist zumindest das erklärte Ziel der gewerkschaftlichen Kampagne »Fair Games – Fair Play«. Sie wurde von südafrikanischen Gewerkschaften gemeinsam mit dem internationalen Gewerkschaftsbund »Bau-Holzarbeiterinternationale« bereits 2007 initiiert. Die Gewerkschaften haben sich von Beginn an für die WM in Südafrika ausgesprochen, forderten aber freien gewerkschaftlichen Zugang zu allen Baustellen, eine Garantie für Arbeitssicherheit und Mindestlöhne von 4000 Rand (etwa 360 Euro) im Monat.

»Bauarbeiter arbeiten in Südafrika oft zu unmenschlichen Bedingungen«, begründete Crosby Moni, der Vizepräsident der größten Baugewerkschaft Südafrikas, die Initiative. Bisher liegen die Durchschnittslöhne eines Großteils der südafrikanischen Bauarbeiter bei 2500 Rand. Zudem besitzt ein Großteil der Arbeiter weder eine Kranken- noch eine Unfallversicherung. Auch bezahlte Ferien gibt es für viele nicht. Über die Hälfte der Bauarbeiter hat keinen schriftlichen Arbeitsvertrag.

Die Gewerkschaften gingen mit ihrer Kampagne von Anfang an auf die internationale Ebene. So wurde dem Präsidenten des Weltfußballverbandes (FIFA), Sepp Blatter, ein Memorandum zu den Arbeitsbedingungen überreicht. Er sagte zu, sich für die Ziele der Gewerkschaftskampagne einzusetzen. Damit hat die FIFA erstmals öffentlich ihre Unterstützung für faire Arbeitsbedingungen erklärt.

Doch es blieb nicht bei Absichtsbekundungen: So inspizierte eine Delegation der Schweizer Gewerkschaft Unia und des Schweizer Arbeiterhilfswerks (SAH) die südafrikanischen WM-Baustellen und kam zu einem gemischten Ergebnis. Delegationsmitglied Joachim Merz von der SAH sprach von deutlich verbesserten Sicherheitsstandards auf den Baustellen. Auch die gewerkschaftlichen Rechte seien gewachsen, was seit Beginn der Kampagne mehr als 1000 Bauarbeiter veranlasste, in die Gewerkschaft einzugetreten. Andererseits überwögen immer noch deutlich zu niedrige Löhne. Auch wurde der Delegation der Besuch einiger symbolträchtiger Baustellen trotz Zusage verweigert.

Die Kampagne für faire Löhne wurde in den letzten Monaten auch durch mehrere kurze Streiks der Bauarbeiter unterstützt. Angesichts des Termindrucks zur Fertigstellung der WM-Bauten haben die Arbeiter zurzeit ein großes Druckmittel. So konnten sie durchsetzen, dass ihnen die Transportkosten von ihren Wohnungen in den Townships (Armenviertel) zur Baustelle gezahlt werden. Dafür ist in der Vergangenheit nicht selten ein Drittel des Monatslohns draufgegangen, wie Joachim Merz betont. Zudem erhalten ca. 20 000 Bauarbeiter je zwei Gratis-WM-Tickets für Spiele in dem Stadion, das sie erbaut haben.

Die Gewerkschaften blicken aber schon über die WM hinaus. Das Beispiel Südafrika soll auch Schule bei künftigen Weltmeisterschaften machen. Auch dort soll vor dem Anpfiff schon mal auf dem Arbeitsfeld Fair Play gespielt werden.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!