Werbung

Retrotrend zu unrentabel

Auf Druck der Hersteller wird das Anzugverbot für Schwimmer wahrscheinlich verzögert

  • Von Tom Mustroph, Rom
  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Welch Theater um die Schwimmanzüge. Italiens Idol Federica Pellegrini schwamm im Mizuno-Produkt ihren Vorlauf über 200 m Freistil. Für die Weltrekorde in Halbfinale und Finale stieg sie aber auf Jaked um – mit abgeklebtem Sponsorenlogo. »Mizuno ist mein persönlicher Sponsor. Ich wollte zeigen, dass ich zu ihm stehe. Mit Jaked schwimme ich momentan aber schneller«, sagt Pellegrini. Der Doppelweltmeisterin über 200 und 400 m Freistil erlaubt eine Vertragsklausel den Kleiderwechsel. Gegenwärtig streiten sich Mizuno und Jaked über die Rechte an den Fotos des weiblichen Gegenstücks von Paul Biedermann der ähnlich triumphierte – in einem Arena-Anzug.

Der Hallenser schloss sich in Rom einer Initiative des unterlegenen Kontrahenten Michael Phelps an. Der Rekordweltrekordler regte an, alle seit Einführung des Speedo LZR geschwommenen Weltrekorde als »künstlich unterstützt« zu annullieren. Der US-Amerikaner erschwamm sein erstes Einzelgold in Rom im Retrotrend: Über 200 m Schmetterling gewann er mit freiem Oberkörper in Weltrekordzeit. Sein präferierter Anzug war kaputt gegangen, das Ersatzmodell hatte er kaum getragen. Also griff er zur Ausgabe von 2008 zurück.

Derweil stellten sich zwei Schwimmer aus Nicaragua als große Experimentatoren heraus. Sie trugen gleich zwei Anzüge übereinander und hofften darauf, die Auftriebseffekte zu verstärken. Sie wurden disqualifiziert, doch ihr Versuch war verständlich. Denn entgegen der Ankündigung des Weltverbands FINA, für jeden Athleten den gewünschten Anzug bereitzustellen, reichen die Kapazitäten der Hersteller nicht aus. »Ich hätte gern Jaked getragen, aber für uns war nichts mehr da«, klagte Filip Velkovski. Der mazedonische Rekordhalter über 50 m Brust würde gern zum textilen Zeitalter zurückkehren. »Das war gerechter«, sagt er.

Markus Rogan sieht das anders: »Gerechtigkeit – wo gibt es denn das?« Der Österreicher kritisiert den populären Retrotrend. »Warum sollten wir technischen Fortschritt verbieten? Das macht die Formel 1 auch nicht. Die Sponsoren wollen neue Produkte auf den Markt bringen. Und wir Schwimmer profitieren von Verträgen mit ihnen. Ziehen die sich zurück, wird der Schwimmsport wieder zweitklassig«, meint Rogan. Bei zwei verpassten Finalteilnahmen mag er nicht mehr einer der Schnellsten im Becken sein, wohl aber einer der Schlausten.

Die FINA ist zerrissen. Die Funktionäre wollen ganz populär die Rückkehr zum Textil befördern, aber auch nicht die Sponsoren verlieren. Daher wird die für den 1. Januar 2010 beschlossene Abkehr von den Polyurethan-Häuten wieder relativiert. Auf Druck der Hersteller, die angeblich neue Modelle nicht rechtzeitig fertigen können, werden schon der 1. April und sogar der 1. September diskutiert. Der Onlinedienst swimnews.com zitiert jedoch eine Quelle aus der Chefetage der FINA mit der Vermutung, dass die Hersteller nur ihre Hightech-Lagerbestände noch verscherbeln wollen. Über Textilbestände sollen sie längst verfügen. Auch hier regiert nicht der Willen der Sportler, sondern das Streben der Mächtigen nach Geld.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!