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Rosen für die Bundeswehr

Camp gegen Atomwaffen in Büchel

  • Von Birgit Gärtner
  • Lesedauer: 2 Min.
Rosenaktion
Rosenaktion

Zum zweiten Mal errichteten die »Atomwaffeninspekteure« der Friedensbewegung vor zwei Wochen ihr kleines Zeltdorf in Büchel, am Atomwaffen-Stützpunkt der NATO in der Südeifel. Mit dem Sommercamp will die Gewaltfreie Aktion Atomwaffen Abschaffen (GAAA) noch bis zum 9. August der Forderung nach Abzug der Atomwaffen Nachdruck verleihen. Die selbsternannten »UN-Mitarbeiter« berufen sich auf ein Urteil des Internationalen Gerichtshofs, demzufolge die Drohung mit dem Einsatz von Atomwaffen völkerrechtswidrig ist. Mit Straßentheater, Ausstellungen, Gottesdiensten und Go-In-Aktionen auf dem NATO-Gelände wollen die Friedensaktivisten auf den Völkerrechtsbruch hinweisen.

Die Nebelschwaden lichten sich langsam, und manch einer schüttelt sich erst einmal die Kälte aus den Gliedern, nachdem er aus dem Schlafsack gekrochen ist. Die Nächte auf dem Sommercamp sind kalt – und kurz. Schließlich haben die Aktivisten viel vor: Bereits um 6.30 Uhr beginnt die morgendliche Mahnwache vor dem Haupttor des Fliegerhorstes. Dort sind im Rahmen der »nuklearen Teilhabe« etwa 20 atomare Sprengköpfe vom Typ B 61 der NATO stationiert. Zusammen haben sie ungefähr die 150-fache Sprengkraft der Bombe von Hiroshima. Die Bundeswehr stellt mit Tornado-Kampfflugzeugen das Trägersystem für die Sprengköpfe, Bundeswehrpiloten sind verpflichtet, im Ernstfall unter der Befehlshoheit der NATO die Atombomben ins Zielgebiet zu fliegen und abzuwerfen. »Das ist ein klarer Verstoß gegen den Atomwaffensperrvertrag, dem die BRD als Nichtkernwaffenstaat beigetreten ist und sich dadurch verpflichtet hat, Atomwaffen oder die Verfügungsgewalt darüber von niemandem unmittelbar oder mittelbar anzunehmen«, erläutert Marion Küpker von der GAAA gegenüber ND.

Die in Büchel stationierten Soldaten werden trotzdem nicht als Gegner betrachtet. »Sie werden im Ernstfall vor die Alternative gestellt, ob sie Kriegsverbrecher oder Befehlsverweigerer sein wollen«, stellt Hans-Peter Laubenthal, ein »Atomwaffeninspekteur« aus Berlin, fest. Um ihnen diese Entscheidung ein wenig zu erleichtern, bekamen die Soldaten letzten Freitag Besuch: Mit Rosen in der Hand überschritten die Aktivisten unerlaubt die Grenze des Bundeswehrgeländes und verteilten dort mit der Blume ein Flugblatt an die anwesenden Soldaten. Darin werden sie auf ihr Recht, als »Bürger in Uniform« den Gehorsam aus Gewissengründen zu verweigern, hingewiesen, und aufgefordert, von diesem Recht Gebrauch zu machen, wenn ihnen der Einsatz von Atombomben befohlen werde. Einige der Aktivisten wurden von der Polizei vorübergehend festgenommen und Anzeige wegen Landfriedensbruchs gegen sie erstattet.

Als Höhepunkte des diesjährigen Sommercamps sind ein Konzert am Haupttor des Militärflugplatzes am 8. August und eine Abschlusskundgebung am 9. August anlässlich des 54. Jahrestags des Abwurfs der Atombombe auf die japanische Stadt Nagasaki geplant.

www.bye-bye-nuclear-bombs.gaaa.org

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