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Kanzlerkandidat hat nun Kompetenz

Sonne, See und SPD: Steinmeier-Team vorgestellt und »Aufbruch zu Besserem« versprochen

  • Von Gabriele Oertel
  • Lesedauer: 3 Min.

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Gemeinsam mit zehn Genossinnen und acht Genossen zieht SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier in den Wahlkampf. Bei der Vorstellung seines Kompetenzteams am Donnerstag in Potsdam versprach der Bundesaußenminister kein »Weiter so« – sondern einen »Aufbruch zum Besseren«.
Zeichnung: Christiane Pfohlmann
Zeichnung: Christiane Pfohlmann

Sonnenschein und See – es tagt die SPD. Die gestrigen Bilder aus Hermannswerder erinnerten fatal an jene vor fast genau elf Monaten, als der SPD an einem ebenso sonnigen Tag am Schwielowsee der Parteivorsitzende abhanden kam – und Steinmeier sich ob derlei Turbulenzen nach dem wütenden Abgang Kurt Becks selbst zum Kanzlerkandidaten seiner Partei ausrufen musste. Doch gestern war bei den Sozialdemokraten Lachen vorgegeben. Steinmeier zeigte sich mit den um ihn versammelten Kompetenzen »rundum zufrieden«, sah einen »glaubwürdigen Beginn« des SPD-Wahlkampfes und wiederholte einmal mehr seine Lieblingsfloskel, »die SPD spielt nicht auf Platz, sondern auf Sieg«.

Die vielen jungen Gesichter, strahlte Steinmeier so gut er eben strahlen kann, stünden für Dynamik, und überhaupt habe die SPD die besseren Köpfe und die besseren Ideen. Dass er zugleich den »Aufbruch zum Besseren« beschwor, deutet allerdings denn doch darauf hin, dass die Genossen im Berliner Willy-Brandt-Haus die eher schlechten Botschaften aus den Umfrageinstituten irgendwie erreicht haben müssen. Ob daran in den nächsten 59 Tagen noch die Verabredung des Kompetenzteams, »gemeinsam in die Hand zu spucken«, signifikant etwas ändern wird, bleibt abzuwarten. Steinmeier jedenfalls erneuerte nicht nur seinen Anspruch auf die Kanzlerschaft, »um das Land in der nächsten Legislaturperiode und darüber hinaus zu gestalten«. Er hob auch die besonders ausgeprägte Lebensnähe von Sozialdemokraten hervor.

Bei Umfragewerten um 23 Prozent scheint der Traum vom Einzug ins Kanzleramt derzeit wenig lebensnah. Womöglich aber weist eine andere Bemerkung Steinmeiers – er wolle mit seinem Team bis zum 27. September klarmachen, was es für Rentner, Arbeitslose, Kinder und Jugendliche bedeuten würde, »wenn die Sozialdemokraten in diesem Land nicht regieren« – auf die womöglich lebensnähere Variante hin: eine von der SPD angestrebte Fortsetzung der Großen Koalition. Der Kanzlerkandidat beschwor geradezu, sozialer Ausgleich im Lande werde nur zu haben sein, »wenn die SPD der Motor in der Bundesregierung bleibt«.

Sein seit Wochen abgetauchter Parteivorsitzender Franz Müntefering, der sich bei Steinmeiers bedächtiger Vorstellung der 18 Team-Mitglieder bisweilen etwas zu langweilen schien, versuchte den Beweis für Aufbruchstimmung im ihm eigenen Stile: »Die Ergebnisse stehen nicht fest, die Lage ist offen, nun gilt's«, formulierte er stakkatoartig. Aber auch Müntefering blieb nebulös. »Wir wollen nicht nur Recht haben, sondern auch Recht bekommen«, sagte er – und wettert zuvorderst über die FDP, die ausspreche, was die Union auch wolle. Das, so der SPD-Chef sichtlich stolz, habe seine Partei 2005 erfolgreich verhindert. Sollte das auch 2009 der Anspruch der Sozialdemokraten sein, dürfte allerdings mancher der gestern vorgestellten Kompetenten Sonne, See und SPD im Brandenburgischen in ähnlich desaströser Erinnerung behalten wie Kurt Beck.

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