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Deutschlands Jäger erlegen über eine halbe Million Füchse in einer Saison

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Über eine halbe Million Füchse haben Deutschlands Grünröcke in der Jagdsaison 2007/2008 offiziell erlegt. Ist der Tod so vieler Füchse angesichts des Mangels an größeren Raubtieren in heimischen Wäldern nötig? Und warum werden sie überhaupt so intensiv bejagt, während Deutschland frei von Wildtollwut ist?

Aus Äsops berühmter Fabel vom Fuchs, dem die unerreichbaren Trauben angeblich zu sauer sind, lässt sich mindestens Zweierlei lernen: Erstens fällt es gar nicht leicht, persönliches Unvermögen zu gestehen. Und zweitens fressen Füchse nicht nur Fleisch, sondern auch gerne Früchte – was wenig bekannt sein dürfte.

Das öffentliche Bild des Fuchses ist ohnehin arg verzerrt und wenig schmeichelhaft für den letzten größeren Beutegreifer auf deutschem Boden, der fast überall anzutreffen ist. Zudem wird er heftig bejagt; in der Jagdsaison 2007/2008 haben Deutschlands Jäger mit Kugeln und Fallen 534 000 Rotfüchse erlegt, darunter auch viele Jungtiere. Das ist einer pro Minute. Die Grünröcke im Lande begründen die Fuchsjagd im Wesentlichen mit drei Argumenten: Der Fuchs übertrage für den Menschen gefährliche Krankheiten wie die Tollwut oder den Fuchsbandwurm, er sei seines hohen Bestandes wegen keineswegs gefährdet und er drohe sonst zumindest regional, selten gewordene Bodenbrüter unter den Vögeln auszurotten.

»Wegen der erfolgreichen Tollwut-Impfung und der nach dem Mauerfall stark eingeschränkten Fallenjagd in Ostdeutschland gibt es derzeit bei uns so viele Füchse wie noch nie«, sagt Torsten Reinwald, Sprecher des Deutschen Jagdschutz-Verbandes (DJV) in Bonn, in dem bundesweit fast 300 000 Jäger organisiert sind. Eine Zunahme der Anzahl an Füchsen hätte laut Reinwald üble Folgen für weniger anpassungsfähige Beutetiere, etwa die durch Lebensraumverlust bedrohten Bodenbrüter wie Kiebitz, Brachvogel oder Rebhuhn. Dass Gegner der Fuchsjagd auf die Niederlande verweisen, wo Füchse seit 2002 generell nicht mehr gejagt werden dürfen, lässt der Biologe als Argument nicht gelten. »Dort hagelt es Sondererlaubnisse. Man nennt das bloß nicht Jagd, sondern Schädlingsbekämpfung.«

Anders als Hirsch oder Reh genießt der Rotfuchs hierzulande keine Schonzeit – außer in Berlin von Februar bis Oktober. Allerdings dürfen laut Jagdgesetz in der Zeit der Jungenaufzucht keine Elterntiere getötet werden.

Der viel kleinere Ökologische Jagd-Verein (ÖJV) hält im Gegensatz zum Deutschen Jagdschutz-Verband die Fuchsjagd für überflüssig. Aus Artenschutzgründen ist die Hatz auf Füchse für die ÖJV-Vorsitzende Elisabeth Emmert nur in begründeten Fällen statthaft. »Wenn die Fuchsjagd aus naturschutzfachlichen Gründen angeraten ist, sollte sie möglich sein – aber nur lokal, vorübergehend und von Fachleuten überwacht.« Die Öko-Jägerin hält es durchaus für möglich, dass mehr Jagddruck mehr Füchse zur Folge habe; Studien beispielsweise aus England hätten diesen Effekt zeigen können. Zudem kenne man dieses Reaktionsmuster auch vom Rehwild.

Emmerts Fazit: »Die Fuchsjagd wirkt auf den Bestand an Füchsen nicht begrenzend.« Und Jungfüchse am Bau zu fangen und zu töten, sei »sinnlos«. Denn bevor die Jungtiere im Herbst selbstständig würden, stürben ohnehin viele von ihnen. »Da gibt es immer einen Schwund, und deshalb muss man die Zahl der Jungfüchse auch gar nicht in den Griff kriegen.«


Lexikon - Rotfuchs

Der Rotfuchs (Vulpes vulpes), eine von 14 Unterarten der Echten Füchse, besiedelt neben Europa auch Nordamerika, die gemäßigten subtropischen Breiten Asiens sowie Afrika nördlich der Sahara. Er gehört zu den anpassungsfähigsten Tieren überhaupt und zu jenen mit dem größten Verbreitungsgebiet. In Deutschland gilt der Rotfuchs nach dem Bundesjagdgesetz als jagdbares Wild. Seine eigene Beute tötet der Rotfuchs durch einen schnellen Biss. Meist stellt er Mäusen und anderen Nagetieren nach, frisst aber auch Fallobst, Regenwürmer, Aas oder Insekten.

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