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Nach zwölf Jahren aufgespürt

Alte Hauseingangsmotive zieren jetzt den Giebel an der Mehrower Allee in Marzahn

  • Von Barbara Staacke
  • Lesedauer: 3 Min.

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Inmitten seiner Motive – der Künstler Frank Beutel
Inmitten seiner Motive – der Künstler Frank Beutel

Ursprünglich sollte der Häuserblock an der Mehrower Allee von der Bildfläche verschwinden. Doch aufgrund von Protesten hatte die Marzahner Wohnungsbaugesellschaft Degewo eingelenkt und ließ den Achtgeschosser auf fünf und drei Etagen zurückbauen. Und das war offensichtlich keine schlechte Entscheidung. Denn der Riegel verspricht, nunmehr ein echter Blickfang zu werden.

Dafür sorgt nicht zuletzt auch Frank Beutel, der sein Atelier für drei Wochen nach Marzahn verlegte. In zehn Metern Höhe zauberte er ein wunderschönes Wandgemälde auf den Giebel. Mit seinen schwungvollen Motiven – einer Komposition aus Musik und Tanz – stellt der Kunstmaler gleichsam ein Stück Zeitgeschichte dar.

Dafür schuf er ein ganzes Aufgebot an Akteuren. Das reicht von Josephine Baker über Jazz-Interpreten und Tangotänzer bis hin zur Wiener Hofballgesellschaft. Kurvenreiche Damen des Schwanenseeballetts, die sich beim näheren Hinschauen als Roboter entpuppen, dominieren den Reigen. Nicht von ungefähr lautet der Titel »Tanz in Marzahn«.

Indes wird die Baustelle immer mehr zum Schauplatz. Liebhaber von Architektur und Malerei kommen in kleinen Grüppchen, um das Gemälde und das umgebaute Gebäude in Augenschein zu nehmen. »Schön sieht das aus«, lobt ein Bauarbeiter und klopft dem Schöpfer anerkennend auf die Schulter. Und dieser freut sich, den Geschmack getroffen zu haben: »Die Bewohner müssen schließlich damit leben«, sagt Frank Beutel, der zahlreichen Bauten in Berlin und Brandenburg eine besondere Note verlieh, darunter dem »Refugium« in der französischen Stadtkirche am Gendarmenmarkt, dem Potsdamer Naturkundemuseum oder dem Forum Köpenick.

Dass er den Auftrag für den Plattenbau in Marzahn erhielt, ist gewissermaßen dem Spürsinn des Architekten geschuldet. Vor zwölf Jahren hatte Beutel die Hauseingänge an eben diesem Gebäude bemalt. Als diese nun im Zuge des Umbaues abgerissen werden sollten, hatte Architekt Alexander Stöckl die Idee, die Motive auf ein Gemälde zu übertragen. Der Zufall kam ihm dabei zur Hilfe. Er entdeckte auf einem der verblassten Bildfragmente das Signum des Urhebers und konnte schließlich den Künstler ausfindig machen. »Es ist eine feine Sache, dass die Bilder auf diese Weise erhalten bleiben«, freut sich Frank Beutel. Nun, da in wenigen Tagen die Gerüste fallen, wird sich das Gemälde in voller Schönheit entfalten.

Derweil läuft der Innenausbau auf Hochtouren. Wände werden verschoben und 48 Zwei- und Drei-Zimmerwohnungen hergerichtet. Zudem wird das Haus zwei Wohngemeinschaften für demente Senioren beherbergen. Auch an kleine Gärten ist gedacht. Wenn die ersten Mieter im Februar 2010 einziehen, wird im Gegenzug der nur einen Steinwurf entfernte südliche Ringkolonnadenflügel von der Bildfläche verschwunden sein. Zwar ist der vom Bezirk Marzahn-Hellersdorf auf der Abrissfläche geplante Schulneubau erst einmal geplatzt, weil der Senat die beantragten 14 Millionen Euro nicht bewilligte. Dennoch will Finanzstadtrat Stefan Komoß (SPD) das Vorhaben nicht aufgeben.

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