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Der Osten Afrikas wartet auf Regen

Mensch und Vieh leiden in Kenia, Somalia und Äthiopien unter der bisher schlimmsten Dürre

  • Von Marc Engelhardt, Kajiado
  • Lesedauer: 3 Min.

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In Ostafrika bahnt sich die schlimmste Dürrekatastrophe seit Jahrzehnten an: Weil seit Jahren kaum noch Regen gefallen ist, sind schon jetzt 20 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Wer von Kenias Hauptstadt Nairobi nach Süden zum Amboseli-Nationalpark am Fuß des Kilimandscharo fährt, erlebt normalerweise das Land aus dem Bilderbuch: eine weite, von Schirmakazien und Dornbüschen begrünte Savanne, durch die in rote Tücher gehüllte Hirten ihre Viehherden treiben. Doch seit ein paar Monaten hat sich das Bild radikal gewandelt. In der staubigen Einöde rund um den Handelsposten Kajiado ist kein Farbtupfer mehr zu sehen. »Noch keine Dürre war so schlimm wie diese«, sagt der Massaihirte Mengeti Ole Lomni. Seit drei Jahren hat es hier kaum noch geregnet, die letzte Regenzeit ist ganz ausgefallen. Wasser ist Mangelware, die meisten Brunnen sind ausgetrocknet. Der Durst ist das einzige, was für die Bevölkerung derzeit noch schlimmer ist als der Hunger.

Um an Wasser für ihre Familie zu kommen, muss Miriam Kirange zwei Stunden vor Sonnenaufgang aufstehen. »Sieben Kilometer ist das nächste Bohrloch entfernt, die anderen sind alle trocken gefallen«, berichtet die 28-Jährige. Einen 20-Liter-Kanister hat sie auf dem Kopf getragen, sechs weitere an ihren Esel geschnallt. Für ihren Mann und die drei Kinder reicht das Wasser für ein bis zwei Tage, dann muss sie wieder los. Manchmal, sagt Kirange, ist der Andrang schlicht zu groß. »Ich habe schon am Bohrloch übernachten müssen, weil die Schlange so lang war.«

Die Lage ist anderswo ähnlich verheerend. Die Regierung hat angekündigt, in dieser Woche den Ausnahmezustand auszurufen. Für mehr als 20 Millionen Menschen in Kenia, Somalia und Äthiopien, so steht es in einer Analyse der US-Entwicklungshilfebehörde USAID, ist die Nahrungsmittelversorgung nicht mehr gesichert. Denn mit dem Regen ist auch die Ernte ausgeblieben. Ein Paket Maismehl, Grundnahrungsmittel der meisten Kenianer, kostet derzeit fast einen Tagelohn. Landwirtschaftsminister William Ruto rechnet frühestens in einem Jahr mit einer Besserung der Versorgungslage.

Besonders schlimm trifft es Nomaden wie die Massai, deren Vieh zu verhungern und zu verdursten droht. Verkaufen lohnt sich nicht, weil für die klapperdürren Kühe auf dem Markt gerade mal noch zehn Euro gezahlt werden – normalerweise ist es vierzig Mal so viel. In vielen Dörfern wird das Vieh deshalb notgeschlachtet. »Früher konnten wir mit unseren Herden zu anderen Plätzen ziehen, wo es mehr Wasser und mehr Gras gab, aber diesmal ist es überall trocken, wir können nirgendwo hin«, erklärt Ole Lomni. In ihrer Not fällen immer mehr Massai die Akazienwälder, die einst die Ebene bedeckten, um das Holz an Köhler zu verkaufen.

»Die Folgen der aktuellen Dürre sind schlimmer als alles, was ich in meinen acht Jahren in der Region gesehen habe«, sagt auch Iris Krebber von der Deutschen Welthungerhilfe. Zwar hat Kenias Regierung öffentlich eine »Großoffensive gegen den Hunger« gestartet. Unter anderem sollen Armee und Polizei auf dem Land Nahrungsmittelhilfen verteilen. »Aber ich frage mich, was die verteilen wollen«, wundert sich Krebber. Offiziellen Angaben zufolge liegen in den staatlichen Silos noch zweieinhalb Millionen Sack Mais, normalerweise sind es acht Millionen. Hunderttausende Säcke sollen korrupte Ministerialbeamte unterschlagen haben. Helfer wie Krebber haben zudem das Problem, das in der nach den Unruhen 2008 neu gebildeten Mammutregierung die Zuständigkeiten völlig ungeklärt sind.

»Auf die Regierung zu hoffen, bringt nichts«, glaubt der gebeugte Massaihirte Nentiti ole Kolila. »Unsere einzige Hoffnung ist, dass es im November regnet.«

Doch Kenias Meteorologen sind skeptisch. Sie sagen nur wenige Regenfälle voraus. In Kajiado soll es trocken bleiben – außer, es gibt wieder ein El-Niño-Jahr wie zuletzt 1997/98. Damals zerstörten sintflutartige Regenfälle ganze Ortschaften, Wasserdämme und hunderte Kilometer Straßennetz. In einem Monat, so glauben die Wetterforscher, wird man wissen, ob sich dieses Ereignis wiederholt. Ole Kolila, der El Niño vor mehr als zehn Jahren miterlebt hat, hofft fest darauf. »Hauptsache, es regnet, sonst sterben nach dem Vieh auch die Menschen hier.«

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