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Später Erfolg der »Unbeugsamen«

Vormals besetzte Mailander Maschinenfabrik INNSE bleibt nun doch bestehen

Nachdem sie bereits geräumt waren, haben die Arbeiter bei INNSE nun doch noch ihr Ziel erreicht: Die Fabrik bleibt bestehen.

Großer Jubel gegen Mitternacht auf einer Straße in Mailand. Die Arbeiter der Maschinenfabrik INNSE tragen einen Kollegen auf den Schultern. Er gehörte zu den vier Gewerkschaftern, die acht Tage lang auf einem 17 Meter hohen Kran in der Fabrik ausgeharrt hatten. Damit wollten sie den Abtransport der Maschinen und die Demontage der Fabrik verhindern,

die unmittelbar bevorzustehen schien, nachdem schwerbewaffnete Polizisten die Fabrik, die 49 Arbeiter insgesamt 15 Monate lang besetzt hatten, Anfang August räumten (ND berichtete). Doch nur zwei Tage später, am 4. August, gelangten vier Mitglieder der italienischen Metallarbeitergewerkschaft FIOM-CGIL, darunter der örtliche Sekretär, unbemerkt zurück in die Fabrik und besetzten den Kran.

Nun haben die »Unbeugsamen«, wie sie in den italienischen Medien genannt wurden, doch noch Erfolg. Die Fabrik bleibt bestehen. Die Fabrik wird nicht geschlossen. Das war am 12. August das Ergebnis von 15-stündigen Verhandlungen. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Aktiengesellschaft Camozzi den Betrieb vom Turiner Unternehmer Silvano Genta zurückkauft, der die angeschlagene Firma 2006 für einen Spottpreis erworben hatte.

Das Fabrikgelände gehörte bereits der Immobilienfirma AEDES, die nur darauf wartete, die Maschinen abzutransportieren und die Werkhallen zu räumen, um das Fabrikgebäude abzureißen.

Das Gelände soll für die Expo 2015 verwendet werden. Deshalb hatte auch die italienische Politik großes Interesse an einer Fabrikschließung. Mehrmals hatte es Räumungsversuche von Polizei und einem privaten Sicherheitsdienst gegeben. Dabei war im Februar dieses Jahres ein 50-jähriger Arbeiter an einem Herzinfarkt gestorben. Die INNSE-Arbeiter gaben jedoch nicht auf und setzten auf internationale Solidarität. Unterstützung kam auch aus der Schweiz, Österreich und Deutschland.

Dort wird der späte Erfolg mit Genugtuung aufgenommen. So heißt es in einer Erklärung des Jour Fixe der Gewerkschaftslinken Hamburg, die Belegschaft der INNSE habe einen großen Triumph errungen, sollte aber weiter kampfbereit sein: »Auch wenn die INNSE jetzt einen neuen Besitzer hat, ist es besser, sich vorzusehen. Allzu oft sind die Arbeiter von den Behörden mit leeren Versprechungen getäuscht worden.«

Tatsächlich wird das Besetzercamp vor der Fabrik auch nach der Einigung bestehen, bis die Produktion wieder aufgenommen wird. Nur die Parolen auf den Spruchbändern sind kämpferischer und siegesgewisser geworden. Neben dem Motto der Belegschaft »Hände weg von der INNSE« heißt jetzt eine weitere Parole »Wir sind die Löwen«.

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