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Stasi-Akte landete im Fundus

Produktionsfirma übergab Kopien als vermeintlich unechte Dokumente an das Filmstudio Babelsberg

Berlin (dpa). Der Fund von Kopien echter Stasi-Akten in einem Berliner Filmstudio ist aufgeklärt. Weil man sie im Fundus von Studio Babelsberg für die üblichen »Spiel-Akten« für Filmproduktionen hielt, wurden sie als Requisiten an eine Fernseh-Produktionsfirma geliefert, teilte die Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen (BStU) am Donnerstag in Berlin mit. Die Kopien aus Betroffenen-Unterlagen waren Mitte Juli in einem Charlottenburger Filmstudio bei der Verfilmung des Theaterstücks »Staats-Sicherheiten« aufgetaucht und hatten bei dem betroffenen Stasi-Opfer für Aufregung gesorgt. Er hatte die Kopien allerdings selbst »im Vertrauen auf den korrekten Umgang« mit ihnen an die Produktionsfirma übergeben.

In dem Stück des Potsdamer Hans-Otto-Theaters »Staats-Sicherheiten« von Clemens Bechtel erzählen 15 frühere Häftlinge aus den Stasi-Gefängnissen Potsdam und Berlin-Hohenschönhausen von ihrem Schicksal.

Die Stasi-Unterlagenbehörde habe den Vorfall in intensiver Zusammenarbeit mit Studio Babelsberg und dem Betroffenen klären können, teilte Behördensprecher Steffen Mayer mit. Die Unterlagen stammten ursprünglich aus der persönlichen Akteneinsicht des Betroffenen. Sie seien dementsprechend von der Stasi-Unterlagen-Behörde gestempelt und geschwärzt worden. Das Stasi-Opfer hatte die Kopien dann im Vertrauen auf den korrekten Umgang einer Fernsehproduktionsfirma übergeben, die an einer großen Dokumentationsreihe zur Aufarbeitung der SED-Diktatur arbeitete.

Nach Abschluss der Produktion habe dann ein Mitarbeiter der Produktionsfirma diese Kopien in drei Aktenmappen an den Fundus des Studios Babelsberg übergeben, zusammen mit von dort ausgeliehenen Requisiten. Im Fundus seien die Kopien nicht geprüft worden, da dort grundsätzlich nur mit unechten Akten gearbeitet werde. Sie wurden zusammen mit vielen weiteren »Spiel-Akten« an die Produktionsfirma geliefert, die im Auftrag des ZDF das Theaterstück verfilmte.

Das Stasi-Opfer werde nicht juristisch gegen die Produktionsfirma vorgehen, hieß es. Die Stasi-Unterlagenbehörde zitiert den Betroffenen mit den Worten: »Meine eigene Akte als Requisite vorzufinden hat mich zunächst ganz schön erschüttert, und ich hatte schon das Schlimmste befürchtet.« Er sei erleichtert über die Aufklärung. »Leider wurde mein Vertrauen in die Produktionsfirma, was den korrekten und sensiblen Umgang mit meinen Unterlagen betrifft, enttäuscht.«

Behördensprecher Mayer betonte, »es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass Unterlagen mit Personenbezug außerhalb der vom Stasi-Unterlagen-Gesetz vorgesehenen Verfahren herausgegeben worden sind.« Es sei deshalb »völlig unverständlich«, dass die Vereinigung der Opfer des Stalinismus Deutschland entsprechende Verdächtigungen geäußert und den Bundesdatenschutzbeauftragten informiert habe.

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