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Cineasten im Windschatten

Open-Air-Kino Spandau lockt mit Naturflair und Currysuppe

Denkmalgeschütztes Kino-Ambiente in Spandau
Denkmalgeschütztes Kino-Ambiente in Spandau

Die Spandauer sind ein eigensinniges Völkchen. Eingedenk ihrer Außenlage im westlichsten Bezirk der Hauptstadt, betrachten sie sich bekanntlich nicht so recht als Berliner. Die Neugierigsten seien sie auch nicht, sagt Roman Colm, jedenfalls was Filme betreffe.

Denn Kinos sind in Spandau Mangelware und die Spandauer Bürger Filmexperimenten eher abhold, so Colm. Der Mann mit dem schwäbischen Einschlag, der seit sechs Jahren das Open-Air-Kino Spandau betreibt, bietet seiner Klientel deshalb jedoch keinen schnöden Kommerz. Als einzige Freiluftspielstätte Berlins veranstaltete man hier in diesem Sommer mit dem Film »Moonwalker« eine Michael-Jackson-Hommage. Vom Erfolg der Filme in anderen Bezirken hänge es jedoch ab, ob sie auch hier gezeigt würden, räumt Colm ein. Die Vorstellung des britisch-indischen Oscar-Films »Slumdog Millionär« ist jedoch ebenso gut besucht wie anderswo.

In adretten Reihen mit genügend Beinabstand stehen die Plastestühle vor der aufblasbaren 48 Quadratmeter großen Leinwand. Sie füllen sich zusehends. Frühankommer nehmen in den wenigen gestreiften Liegestühlen Platz. In der Hollywood-Schaukel links vor der Leinwand übersieht man das Areal des Open-Air-Kinos Spandau am besten.

Es befindet sich im Hof der Stadtbibliothek und des Gesundheitsamtes (ehemals eine Post), dessen mit Efeu bewachsene Backsteinfassade denkmalgeschützt ist, ebenso wie das Eingangstor. Normalerweise stellen Colm und seine Mitarbeiter hier um die 200 Sitzgelegenheiten auf, an Wochenenden, oder wenn gefragte Publikumsrenner wie »Keinohrhasen« laufen, werden sie auf bis zu 280 Plätze aufgestockt.

Hüfthohe irdene Blumentöpfe mit bunter Bepflanzung geben dem Platz neben einigen Bäumen und Sträuchern das gewisse Naturflair. Windstill ist es hier weitestgehend, dennoch bietet es sich an, einen Pullover mitzunehmen. Auch Decken können gegen eine Benutzergebühr von 50 Cent ausgeliehen werden.

Vor drei Jahren ist das Open-Air-Kino Spandau hierher umgezogen. Davor war es in der Zitadelle Spandau ansässig, was jedoch zu Komplikationen führte. Naturschützer monierten, dass die örtlichen Fledermäuse von der Akustik beeinträchtigt würden. Sogar die »Fledermausbeauftragte« des Senats wurde eingeschaltet.

Dieses Problem ist nun aus der Welt, dank der urbaneren Umgebung, gleich neben der Fußgängerzone und in direkter Nähe zur U-Bahn. Dennoch hat das Freiluftkino in dieser Saison sehr unter dem schlechten Wetter bis in den Juli hinein gelitten.

Entschädigt wird man für solche Ausfälle bei guter Witterung mit der »Open-Air-Suppe«, einem täglichen Exklusivangebot der Spandauer Freiluftspielstätte. Mal ist es Hackfleisch-, mal afrikanische Currysuppe. Vielleicht ist sie bei der Pause für den Spulenwechsel – alle Filme werden von Hand in 35mm vorgeführt – auch ein Grund für den großen Andrang in Richtung WC. Diese befinden sich in etwa 60 Meter Entfernung im Partnerkino des »Kulturhauses«. Einen Vorteil habe diese Wanderbewegung aber auf jeden Fall, so Colm: »Unsere Toilettenkarawane trägt dazu bei, dass die Spandauer Altstadt zwischen halb elf und elf jeden Abend noch einmal ordentlich belebt wird.«

Carl-Schurz-Straße 13, Eintritt: 5-7 Euro; nächste Filme: 21.8. Hannah Montana, 22.8. Gran Torino, Beginn: 20.30 Uhr; Informationen unter Tel.: 333 60 81, www.openairkino-spandau.de

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