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Kein Frieden mit Havanna

Exil-Kubaner bedrohen in Miami den Pop-Sänger Juanes

Ein Konzert in Havanna soll für die Annäherung zwischen dem Karibikstaat und den USA werben. Doch den Initiatoren schlägt eine Welle des Hasses entgegen.

Ja, sagt Juanes, mit Problemen habe er gerechnet, als er das Konzert plante. Schließlich lebe er in Miami und kenne die Lage vor Ort. Dass die Kritik aber derart ausarten würde, hätte sich der kolumbianische Pop-Sänger nicht träumen lassen. Weil er für den 20. September ein »Konzert für den Frieden« auf dem Platz der Revolution in Havanna organisiert, wird der 37-jährige Sänger und Liedermacher in seinem Wohnort Miami von antikubanischen Exilgruppen derzeit offen bedroht. Das Projekt, mit dem Künstler aus den USA, aus Kuba und Lateinamerika für eine Annäherung zwischen Washington und Havanna eintreten, hat eine Welle des Hasses ausgelöst.

Dabei hatten sich die Organisatoren gut abgesichert. In Washington waren sie mit US-Außenministerin Hillary Clinton zusammengekommen, die das Vorhaben nach Juanes' Angaben guthieß. In Havanna traf sich parallel eine Delegation mit Vertretern der kubanischen Regierung. Man wollte sicherstellen, dass die geplante Großveranstaltung »nicht politisch instrumentalisiert wird«, sagt der Sänger, der das Regime des ultrarechten kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe in einem Interview mit der spanischen Tageszeitung »El País« unlängst als »historisch notwendig« bezeichnete.

Die gewaltbereiten Gruppen des kubanischen Exils beschwichtigte diese politische Einstellung des Initiators nicht. Als das Vorhaben vor wenigen Wochen publik wurde, verbrannten rechte Aktivisten CDs und Schallplatten des prominenten Pops-Stars auf den Straßen von Miami. Die ersten Künstler – unter ihnen Enrique Iglesias und Ricky Martin – sagten ihre Teilnahme ab.

In einem Beitrag für »El País« schildert der spanische Sänger Miguel Bosé, neben Juanes einer der Mitinitiatoren des »Konzerts für den Frieden«, den Grad der aggressiven Ablehnung. Ein 75-jähriger kubanischer Exilant habe auf den Kolumbianer Juanes am Eingang seines Hauses in Miami gewartet, um ihn zu beschimpfen. Erst als ein junger Exil-Kubaner einschritt und den Angreifer abdrängte, habe sich die Situation entspannt. Der junge Mann habe Juanes daraufhin gebeten, an dem Projekt festzuhalten. »Das ist die Spaltung in Miami«, schrieb Bosé: »Die junge kubanische Generation in Florida kann diese rachsüchtige Haltung nicht mehr ertragen.«

Das »Konzert für den Frieden« soll am 20. September trotzdem stattfinden. Neben Juanes und Bosé haben die puertoricanische Sängerin Olga Tañón und die in den USA lebenden Gruppen Calle 13 und Hierbabuena ihre Teilnahme zugesagt.

Auf kubanischer Seite werden unter anderem die Salsaband Van Van und der Liedermacher Silvio Rodríguez teilnehmen. Es werde eine Veranstaltung für diejenigen, die sich eine Normalisierung der Situation zwischen beiden Staaten wünschen, sagte Rodríguez in der kubanischen Kulturzeitschrift »La Jiribilla«. »Die Ultrarechte fühlt sich dadurch natürlich provoziert«, fügte er an. »Denn das Wesen dieser Leute ist von Grund auf aggressiv – ebenso wie die Kuba-Blockade, die sie verteidigen.«

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