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Hoher Aufwand, wenig Nutzen

OECD: Jedes sechste Kind in Deutschland ist arm – trotz hoher öffentlicher Ausgaben

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In Deutschland wird zwar viel Geld für Betreuung, Bildung und die Gesundheit von Kindern ausgegeben, dennoch bleibt das Land in diesen Bereichen international nur Mittelmaß. Dies ist das Ergebnis des OECD-Kinderberichts, der gestern in Berlin vorgestellt wurde.

Auf dem Papier sieht alles noch gut aus: Umgerechnet 144 500 US-Dollar wendet die öffentliche Hand in Deutschland für einen seiner jungen Bürger von der Geburt bis zur Volljährigkeit auf. Nur wenige der 30 von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für die Studie untersuchten Länder sind spendabler. Doch erfolgreich ist diese Politik nicht, wie die Leiterin der Abteilung Sozialpolitik der OECD, Monika Queisser, gestern bei der Vorstellung der Studie betonte.

Verschwenderischer Staat

40 Prozent der Haushalte mit Alleinerziehenden in Deutschland sind arm, d.h. ihr Einkommen beträgt weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens; im OECD-Schnitt sind davon lediglich 30 Prozent der alleinerziehenden Eltern betroffen. Rund 16 Prozent der Kinder gelten in Deutschland insgesamt als arm, im OECD-Mittel beträgt die Quote lediglich 12 Prozent, in Dänemark, dem Land mit der geringsten Kinderarmut in der OECD, leben gar nur knapp 2,3 Prozent der Heranwachsenden in relativer Armut. Die Organisation hat für ihre Studie die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen im Hinblick auf Wohlbefinden und Chancengleichheit untersucht. Unter die Lupe genommen wurden außerdem die finanzielle Situation der Haushalte sowie der Gesundheitszustand

Auch im Bildungssystem schneidet Deutschland im OECD-Vergleich nach wie vor schlecht ab. Die Leistungsunterschiede zwischen den guten und schlechten Schülern ist groß und das bei eher durchschnittlichen Gesamtleistungen. Der Abstand in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften zwischen den besten und den schlechtesten zehn Prozent eines Jahrgangs ist nur in Mexiko, Italien, Tschechien, Belgien, Frankreich, USA und Griechenland größer. Von gleichwertigen Lebensverhältnissen könne in Deutschland also nicht die Rede sein, betonte daher Monika Queisser. Die Herstellung der Chancengleichheit bleibe für die Politik »eine große Herausforderung«.

Die Erklärung für diese offensichtliche Diskrepanz zwischen Aufwand und Nutzen staatlicher Ausgabenpolitik lieferte Monika Queisser gleich mit. Deutschland gebe zwar je nach Altersgruppe zehn bis 20 Prozent mehr Geld für Kinder aus als andere OECD-Länder, doch etwa 40 Prozent der öffentlichen Mittel werden direkt an die Eltern gezahlt – entweder in Form von direkten Geldleistungen wie etwa Kindergeld oder indirekt in Form von Steuernachlässen. Nur in Luxemburg und der Slowakei zeigt sich Papa Staat ähnlich verschwenderisch mit seinen Mitteln, wohingegen beispielsweise in den skandinavischen Ländern der Großteil der öffentlichen Finanzmittel direkt in Bildungs- und Betreuungsangebote gesteckt wird. So beträgt in Finnland der Anteil für das Betreuungssystem bei den öffentlichen Ausgaben für Kinder rund 20 Prozent, in Deutschland wendet dafür lediglich ein Zehntel auf. Auffallend ist auch, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Industriestaaten viel Geld für Kinder und Jugendliche ab dem 11. Lebensjahr ausgibt, dafür aber im Kita-Bereich mit dem Geld knausert.

Bedürftige Kinder benachteiligt

»Deutschland sollte seine Transfers stärker auf bedürftige Kinder und deren Familien konzentrieren und Dienstleistungen wie Kinderbetreuung und Ganztagsschulen weiter ausbauen«, forderte daher OECD-Expertin Queisser. Die von der Politik in den letzten Jahren gestarteten Initiativen wie der Ausbau der vorschulischen Betreuung sowie das Ganztagsschulprogramm des Bundes gingen in die richtige Richtung.

Es ist allerdings nicht alles schlecht in Deutschland. Trotz der relativen hohen Zahl von sozial benachteiligten Schülern berichten in der Studie lediglich 0,5 Prozent, dass ihnen die notwendige Ausstattung für den Schulbesuch fehle. Als »notwendige Ausstattung« gilt unter anderem das Vorhandensein eines eigenen Schreibtischarbeitsplatzes, ein Taschenrechner, ein Computer mit Internetzugang und der Besitz von Schreibmaterialien. Auch gehen in Deutschland mehr Kinder gerne zur Schule als in vielen anderen OECD-Staaten; in dieser Zufriedenheitsskala rangiert Deutschland auf Platz neun, während beispielsweise das PISA-Siegerland Finnland hier im hinteren Mittelfeld auf dem 18. Platz landet. Gute Ergebnisse gibt es auch beim Gesundheitszustand der Heranwachsenden: Die Kindersterblichkeit ist geringer als im OECD-Schnitt, Babys werden häufiger gestillt und auch die Impfrate liegt über dem Mittelwert.

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