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Anne dreht durch

Dorothea Kleine: Eine Mordsgeschichte

Die Jahre als Gerichtsreporterin sind an Dorothea Kleine nicht spurlos vorbeigegangen. Auch in ihrem jüngsten Kriminalroman nimmt sie sich eines bis heute ungesühnten Mordes an. Anders als in ihrem Buch läuft der Mörder in der Realität noch immer frei herum.

»Glauben Sie, dass sich die spezifisch ostdeutsche Schreibweise, besonders das gesellschaftsanalytische Potential, das den DDR-Krimi geprägt hat, halten wird?« Als mir diese Frage vor einiger Zeit gestellt wurde, fiel meine Antwort nicht sonderlich zuversichtlich aus. Da hatte ich Dorothea Kleines Krimi noch nicht gelesen, der mich eines besseren belehrt.

Von den Autoren des späten DDR-Krimis – nachträglich gerne als Endzeitkrimis bezeichnet – lebt und schreibt kaum noch jemand, und so ist Dorothea Kleine (Jahrgang 1928) unversehens zur Nestorin der einst drei Dutzend fleißige Handwerker(innen) umfassenden Gilde geworden. Von jeher hat sie die leisen Töne bevorzugt, die Abgründe menschlicher Beziehungen ausgelotet und mit ihrer Schreibweise immer eine Sonderstellung eingenommen.

So ist auch dieses gänzlich unprätentiöse Buch vom vermeintlichen Paradies, das immerhin mit einem spektakulären Mord beginnt und eine weitere schreckliche Untat beschreibt, eher ein gesellschaftsanalytischer (s.o.) Nachwende-Roman als ein herkömmlicher Krimi. Als echter Vertreter des Genres entpuppt er sich am überraschenden Schluss dann doch. Mit fast kühler Distanz beschreibt die Autorin das Schicksal ihrer Heldin, der Schriftstellerin Anne, die zur Mörderin wird, nachdem sich für sie doch alles zum Guten gewendet zu haben scheint. Sie hat ihren kleinen Frieden mit den neuen Verhältnissen gemacht, so wie sie einst ihre Nische im alten System gefunden hatte. Aber: Das Paradies ist eben immer anderswo. Oder nirgendwo?

Die Handlung spielt in der Gegenwart in Monheim, einer fiktiven ostdeutschen Stadt, und mancher wird Ähnlichkeiten mit Kleines Heimatstadt Cottbus, ja selbst mit der Biografie der Autorin entdecken. Sie hat viele Jahre für die Presse geschrieben, so wie Anne und ihre Freundin Rosa, und sie hat in den zwanzig Jahren seit der Wende neben beachtenswerten Filmszenarien vor allem Gerichtsberichte verfasst und in mehreren Bänden gesammelt.

Der Rostocker BS-Verlag legte einige davon neu auf, wie er sich überhaupt um heute nahezu vergessene ostdeutsche Autoren bemüht. Die Krimi-Reihe ist ein wenig bieder ausgestattet, doch mindert das den Wert der Texte nicht, und schon gar nicht den von Dorothea Kleines eindringlichem Buch.

Dorothea Kleine: Das Paradies ist anderswo. Kriminalroman. BS-Verlag Rostock. 204 S., brosch., 12,90 €.

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