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Masken nicht nur im Film

Andreas Dresen über die Dreharbeiten zu »Whisky mit Wodka«

Andreas Dresen gewann mit »Wolke 9« in diesem Jahr den Deutschen Filmpreis. Zwischen dem Dreh und den Schnitt diesen Films inszenierte er »Whisky mit Wodka«. Katharina Dockhorn sprach für ND mit dem Potsdamer Regisseur.

ND: Der Film beruht auf Ereignissen von 1957. Gehörte die Doppelbesetzung einer Rolle zu den Legenden, die bei der DEFA heimlich auf dem Flur geflüstert wurden?
Dresen: Ich kannte die Geschichte nicht und habe erst spät von Wolfgang Kohlhaase erfahren, dass das Buch auf einer realen Begebenheit fußt. Kurt Maetzig hat sie mir vor unseren Dreharbeiten bestätigt. Er hat die Doppelbesetzung beim Dreh von »Schlösser & Katen« vorgenommen, um Raimund Schelcher, der dem Alkohol nicht abgeneigt war, um es mal ganz vorsichtig zu formulieren, unter Druck zu setzen. Hans Hardt-Hardtloff hat er zwei Wochen mitlaufen lassen. Das muss schon absurd gewesen sein, denn die beiden sind sich am Drehort konsequent aus dem Weg gegangen. Wobei ich gerne die Muster sehen würde, wie ein Film vom gleichen Team in den gleichen Settings mit einem anderen Schauspieler gedreht wird. Was das ausmacht, wäre hoch interessant.

Der Film besticht durch die Genauigkeit der Pointen, was sicher Ihrer Vorliebe des Improvisierens widerspricht?
Wolfgangs Texte sind auf dem Punkt. Bei seinen Dialogen verbieten sich alle Füllsel, weil er eine besondere Kunstsprache schreibt, auch schon in »Sommer vorm Balkon«. So redet kein Mensch im Alltag, es geht um eine höhere Form von Realität. Aber es ist eine komplizierte Aufgabe, einen künstlichen Satz so rüberzubringen, das er selbstverständlich klingt. Bei der Inszenierung muss ich aufpassen, dass sich die Schauspieler nicht emotional oder sentimental auf die Dialoge drauf setzen. Sie müssen permanent unterspielt und Pointen dürfen nicht extra betont werden. Man muss sie selbst entdecken. Nur dann werden werden sie richtig gut.

Wenn das Buch stimmig ist, inwieweit kann der Regisseur eigene Akzente setzen?
Es war beispielsweise mein Wunsch, dass der Film im Film ist. Damit wollte ich das Maskenthema und den Aspekt des Sichverkleidens stärker in die Geschichte rücken. Weil ich finde, die Figuren tragen nicht nur im Film Masken, sondern auch im wirklichen Leben. Was dann konkret am Set passiert, ist überspitzt, entspricht aber auch der Realität. Obwohl es bei mir zum Glück nicht so wild zugeht. Einige Sprüche kommen direkt von unserem eigenen Set: »So viele Nullen hat mein Taschenrechner nicht«, sagt mein Produktionsleiter immer, oder: »Du kannst nicht die Bibel für 2,50 verfilmen«. »Beeilt euch, die Schauspieler werden älter«, benutze ich manchmal ganz gerne.

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