Werbung

Konjunktur der Flachbildschirme

IFA-Motto 2009: Der Heimkinogenuss und seine Tücken

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin sollen erneut Flachbildschirme für üppige Aufträge sorgen.

Wenn es draußen kalt und unwirtlich wird, ziehen sich die Leute gern in ihr gemütliches Heim zurück – Trendforscher sprechen von »Cocooning« (Verpuppung). Die Hersteller von Unterhaltungselektronik versuchen sich dies seit Jahren zunutze zu machen, indem sie den Konsumenten unvergessliche Kinoabende selbst in der beengten Zweiraumwohnung versprechen. Ob die riesigen LCD- und Plasma-Flachbildschirme samt Stereoanlage und Settop-Box einen Bedarf decken oder ob deren Omnipräsenz im Einzelhandel den Bedarf erst geweckt hat, sei dahingestellt. Die Zahlen hingegen sprechen eine klare Sprache: Im ersten Halbjahr 2009 wurden trotz Krise 3,4 Millionen LCD-Geräte verkauft – ein sattes Plus von 37,5 Prozent selbst gegenüber dem Vorjahresboom, berichtete die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik, Veranstalterin der IFA.

Doch auch die Unterhaltungselektronik-Konzerne leben nicht in einem Kokon, abgeschottet von der Wirklichkeit – der Gesamtmarkt wird in diesem Jahr, wenn auch nur leicht, um knapp drei Prozent schrumpfen, erwartet der Branchenverband BITKOM. Und selbst die Hersteller von TV-Geräten leiden aufgrund ihrer heftigen Preiskämpfe unter Umsatzrückgängen.

Die IFA soll der Branche mit der Präsentation von Neuheiten einen Schub geben – insbesondere für das wichtige Weihnachtsgeschäft. Die Messeveranstalter tun sich selbst schwer, neue Trends anzukündigen. Die »Vernetzung des Zuhauses durch die Verzahnung von Inhalten« ist ein altes Versprechen. Gerade bei Handys sieht es mau aus: Apple und Nokia kommen gar nicht nach Berlin, Samsung und LG haben keine neuen Produkte angekündigt. Und ob das erste Handy, mit dem man hochauflösende HD-Filme aufnehmen kann, den Absatz ankurbeln kann, ist eher unwahrscheinlich.

Und so sollen es neben der eigenen Welt der weißen Ware wieder die TV-Geräte richten. Die Bildschirme werden noch größer, die Gehäuse noch flacher, die LED-Hintergrundbeleuchtung soll für höhere Kontraste bei niedrigerem Energieverbrauch sorgen. Die Branche sieht weiteres Wachstumspotenzial, da sich rund zwei Drittel der hiesigen Haushalte noch keinen Flachen gegönnt haben.

Den Unwilligen sollen technische Zwänge auf die Sprünge helfen. Der Start regulärer HD-Fernsehsendungen, die auf älteren Geräten nicht empfangbar sind, steht 2010 bevor. Allerdings haben Medienkonzerne und Satellitenbetreiber eigene Interessen, wollen Konsumenten für die gestochen scharfen Bilder löhnen lassen und einen Kopierschutz einbauen. Beides ärgert Konsumenten und bremst die Nachfrage nach HD-fähigen Geräten wie auch nach Blu-ray-Rekordern. Und auch das Fernsehen via Internet ist, da ebenfalls kostenpflichtig, keine echte Alternative.

Umweltverbände kritisieren derweil, dass Energieeffizienz bei den Herstellern und ihrer Messe noch immer kein großes Thema sind. »Sparsame Geräte fristen ein Nischendasein«, sagt Klaus Bruns- meier, Vizevorsitzender des BUND, und verweist auf den Trend zu immer größeren Bildschirmen. Stromfressende TV-Geräte müssten wie die Glühlampen aus dem Handel verschwinden. Vergeblich fordern die Umweltschützer seit Jahren zudem eine klare Verbrauchskennzeichnung etwa wie bei Kühlschränken.

Dabei ist dieses Thema für die umworbenen Konsumenten sehr wichtig. Spätestens wenn eine deutlich gestiegene Stromrechnung ins Haus flattert, ist es mit dem Fernsehspaß vorbei. Auch zu Hause lebt man eben nicht im Kokon.


Zahlen & Fakten

Ab Freitag öffnet die 49. Internationale Funkausstellung (IFA) in Berlin ihre Tore. Bis zum 9. September präsentieren täglich von 10 bis 18 Uhr 1164 Aussteller aus rund 60 Ländern ihre Neuheiten. Die IFA gilt als weltgrößter Treff der Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik. Zum zweiten Mal sind die Hersteller von Haushaltsgeräten in den Hallen unter dem Funkturm dabei. Früher fand die Verkaufsschau alle zwei Jahre statt. Doch da die Konzerne in kürzeren Zyklen neue Produkte auf den Markt werfen, findet sie seit 2005 jährlich statt. Während der IFA gibt es ein breites Rahmenprogramm. Im Eröffnungskonzert heute Abend treten Amy Macdonald und Annett Louisan auf. Eine Sonderschau widmet sich dem Thema »Gutes Design und hohe Benutzerfreundlichkeit«. Im ICC findet ein internationaler Medienkongress statt. Die Tageskarte kostet 14 Euro (Vorverkauf/erm.: 10 €; Schüler: 5,50 €). Kinder bis 6 Jahre haben freien Eintritt. ND

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!