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Schulen ohne Strom und ohne Wasser

Das südafrikanische Bildungssystem leidet nach wie vor unter den Folgen der Apartheid

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Im laufenden Bundestagswahlkampf ist oft die Rede vom »Rohstoff Bildung«. Wie wichtig dieser ist, zeigt ein Blick auf die andere Seite der Welt – zum Beispiel nach Südafrika. Der Gastgeber der Fußball-WM im nächsten Jahr hat auch fast 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid deren Folgen noch nicht überwunden.

Südafrika zeigt wie kaum ein anderes Land, wie ein Schulsystem nicht nur Machtverhältnisse ausdrückt, sondern diese auch durchsetzt. Zur Zeit der Apartheid existierte nur ein getrennter Unterricht, von der Schulpflicht, kleinen Klassen und dem Genuss kostenlosem Lehrmaterials profitierten nur Weiße und Farbige partizipierten kaum an einer guten Bildung. Auch wenn ab 1960 Universitäten für Farbige zugelassen wurden, verhinderten weißes Lehrpersonal und begrenzte Zulassungen eine nennenswerte farbige Akademikerschicht. Kurz vor dem legendären Aufstand der Schüler und Studenten 1976 kamen auf einen farbigen Studierenden etwa neun mit weißer Hautfarbe. Während sich Privatschulen in den 1980er Jahren öffneten, zog das staatliche Schulsystem erst 1991 nach. Seit 1996 gilt die allgemeine Schulpflicht im Alter von 7 bis 16 Jahren. Nach der gesetzlich verbrieften und kostenlosen siebenjährigen Grundschule wechseln die Kinder auf die fünfjährige Highschool, für die Schulgeld erhoben wird; zusätzlich kommen Ausgaben für Schultransport und Uniformen hinzu. Kinder aus armen Verhältnissen können jedoch ein Stipendium erwerben. Die Schulzeit endet mit einem einheitlichen Examen.

Wenngleich formal die Herstellung von Gleichheit zwischen Schwarz und Weiß geschaffen wurde, spricht das konkrete Leben eine andere Sprache. Auf das Ende der Apartheid vor rund 20 Jahren folgte Anfang der 1990er Jahre die Globalisierung von Wirtschaft, Politik und Technologie. Die verkrusteten Schulstrukturen wurden aufgebrochen und sich dann mehr oder weniger selbst überlassen. »Dreißig Jahre wird es dauern«, wird auf www.planet-schule.de Südafrikas Erziehungsminister Kader Asmal aus dem Jahr 2002 zitiert, »bis die ungerechten Folgen der Apartheids-Ära überwunden sind«. Die schulische Infrastruktur in den Townships und ehemaligen Homelands ist katastrophal. Es fehlt vor allem an qualifizierten Lehrkräften.

Das ist kein Wunder, denn die Bedingungen, unter denen die Pädagogen arbeiten müssen, sind schlecht. Nach einer von der Regierung 2001 in Auftrag gegebenen Umfrage an 27 148 Schulen hatten damals »43 Prozent der befragten Schulen keinen Strom und 27 Prozent kein fließendes Wasser, verfügten 80 Prozent über keine Bibliothek und 78 Prozent über keinen Computer und benötigten mehr als 10 000 Schulen zusätzliche Klassenzimmer«. 2007 berichtet die Lehrerin Nomfundo Mkhulisi aus Mfanefile im Osten Südafrikas von 40 Prozent Analphabeten unter den Eltern, ungenügender Sicherheit durch Kriminalität und unqualifiziertem Wachpersonal und AIDS-Waisen: »Viele müssen Mutter und Vater ersetzen und kommen gar nicht in die Schule«, beschrieb die Pädagogin die Situation. Viele der Lehrer sind allerdings oft selbst an AIDS erkrankt. 2002 sollen laut der Lehrergewerkschaft Sadtu 40 Prozent betroffen gewesen sein. Wer irgendwie kann, schickt seine Kinder in die entfernten ehemaligen Schulen der Weißen.

So zum Beispiel in das »College of Magic« in Kapstadt. In dem 1980 von David Gore gegründeten College werden Jugendliche einmal die Woche systematisch an die Welt der Magie herangeführt. Parallel zur allgemeinbildenden Schule können sie nach drei Jahren das »Junior Magician's Diploma« und nach sechs Jahren das »Senior Magician's Diploma« erlangen. Von Beginn an unterrichtete Gore weiße und farbige Kinder gemeinsam und stellt heute etwa 50 Prozent der Plätze subventioniert zur Verfügung. Sei Anliegen ist es, existenziell bedrohte Jugendliche über die Verwandlungskünste ein Selbstwertgefühl und eine Lebensperspektive zukommen zu lassen. In der Magie erarbeiten sie sich Fingerfertigkeit, Konzentration und Geduld – Kompetenzen, die für einen erfolgreichen Schulbesuch Grundlagen darstellen. So werden mit der Phantasie die Brücken gebaut.

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