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Berlusconi bedroht »l'Unità«

Regierungschef verlangt hohes Schmerzensgeld

  • Von Anna Maldini, Rom
  • Lesedauer: 2 Min.
In Italien wurde – wenn auch noch nicht formal – ein neuer Straftatbestand eingeführt: die Majestätsbeleidigung. Die linke Tageszeitung »l’Unità« wurde vom italienischen Ministerpräsident Silvio Berlusconi wegen Verleumdung verklagt und muss nun um ihre Existenz fürchten.

Silvio Berlusconi fordert zwei Millionen Euro Schmerzensgeld, eine Summe, die die Zeitung in den Ruin treiben würde. »Berlusconi will unsere Zeitung zum Schweigen bringen«, erklärt Concita de Gregorio, Chefredakteurin des Blattes, das 1921 als Parteizeitung der Kommunisten von Antonio Gramsci gegründet wurde und im Untergrund auch den Faschismus überlebt hat. Heute steht »l'Unità« für unabhängigen, mutigen und linken Journalismus in Italien.

Was wirft Berlusconi »l’Unità« vor? Es geht dabei nicht um präzise Inhalte, die möglicherweise falsch sein könnten, sondern allein um die »Ehrbarkeit« des Ministerpräsidenten. Unter anderem – aber das sind nur zwei »Perlen« von vielen, die man in der 32 Seiten umfassenden Klageschrift lesen kann – suggeriere die Zeitung, dass Berlusconi einen Großteil der italienischen Presse direkt oder indirekt kontrolliere, und weiter, dass er »Erektionsstörungen« habe. Beides seien Verleumdungen, die sein Ansehen beschädigten. Verklagt werden »l’Unità« als Zeitung, aber auch ihre Journalistinnen.

Denn dies ist ein weiterer wichtiger Aspekt der Geschichte: »l’Unità« hat in den letzten Monaten die so genannten Sex-Eskapaden des Ministerpräsidenten immer wieder aus Frauensicht interpretiert und auf das frauenverachtende Bild verwiesen, das der mächtigste Mann im Staat verbreitet: Für ihn werden Frauen nur nach ihren Körpermaßen bewertet, sind sie nur als Bettgespielinnen denkbar, je jünger desto lieber… »l’Unità« prägte das Bild der »Jungfrauen, die dem alternden Kaiser ins Bett gelegt werden«.

In den letzten Tagen hatte Berlusconi bereits die Tageszeitung »La Repubblica« verklagt und auch ausländischen Medien mit juristischen Schritten gedroht. Aber sein Vorgehen gegen die traditionsreiche »l’Unità« scheint die italienische Öffentlichkeit besonders getroffen zu haben. Linke und andere Oppositionsparteien, Gewerkschaften, Verbraucherorganisationen, Journalistenvereinigungen, Frauenverbände und viele Kulturschaffende haben sich mit der Zeitung solidarisch erklärt.

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