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Wo brennt's denn?

Spurensuche in Wedding beim »Polizeiruf 65«

Der Bühnenhintergrund zeigt die Häuserzeile mit Ahmed Ölgürs Dönerladen im Parterre. Hinter dem geöffneten Fenster im ersten Stock die gefühlte Frau Schinkel. Sie könnte jeden Moment erscheinen, um in ihrem Sächsisch einen Kommentar abzugeben. Diesmal nicht. Wahrscheinlich sitzt sie wie gebannt vorm Fernseher bei der 3598. Folge einer ihrer Schnulzen-Serien wie »Flaute der Leidenschaft« oder so ähnlich. Auch der Vernehmungsraum im Weddinger Polizeirevier in »Polizeiruf 65. Alle Spuren führen nach Wedding« wird als Bild eingespielt. Dann agieren die Schauspieler hinter der Leinwand, erscheinen den Zuschauern als Schatten. Es gibt so einige Finessen im aktuellen Stück des prime time theaters.

Eische ist verschwunden. Vielleicht entführt und ermordet? Murat (Oliver Tautorat) denkt nach, greift zum Handy ruft an: »112, die Polizei! Was heißt hier, wo brennt's?« Zu den Weddinger Ermittlern Kaminsky (Kaan Satik) und Schneider (Alexander Ther) kommt ungebeten die Profilerin Trinidad (Constanze Behrends Tautorat). Die drei hegen mal diesen, mal jenen Verdacht, stehen sich gegenseitig im Weg. Schneider wird von den beiden anderen herumgeschickt. Es sei ja wieder mal typisch, dass er die ganze Arbeit machen müsse, meint der übernommene Ossi. »Wer musste schließlich schon die Mauer alleine aufbauen, na?« Der transportable Blutfleck am vermeintlichen Tatort scheint einem Comic entrissen. Die Profilerin stopft das formschön geschnittene Stück Auslegeware mal kurz für Untersuchungen im Labor in ihr Köfferchen.

Wieso gibt die schöne Sängerin Lulu (Jenny Bins) gerade in Onkel Ahmeds Dönerbude ein Konzert? Wer sind Tamara und Doris? Wieso nimmt sich eine Alte am Stock gegenüber der Motz-Zeitungsverkäuferin (Felicitas Vajna) so viel heraus? Als all das und mehr herausgefunden ist, bekommt Herrmann Schneider einen seltsamen Gesichtsausdruck. Das Publikum belohnt diese Mimik sofort. Alexander Ther sollte sie deshalb so kurz wie möglich halten. Ther – auch als Ahmed rührend komisch eifrig – ist ohne Zweifel der Publikumsliebling dieses Stücks. Das prime time theater, das sechs bis sieben Stücke im Jahr neu produziert, bringt im Herbst mehrere Neuauflagen älterer Folgen von »Gutes Wedding, schlechtes Wedding«. Diese Stücke waren nur jeweils drei Wochen nach ihrer Premiere zu sehen und werden überarbeitet und mit neuer Bühnentechnik gezeigt. Nach der Krimikomödie folgen »Der Tiger von Wedding«, »Ronny Horrors Picture Show« und schließlich im November »Angeklagt: Alle gegen Kalle«. Der Postbote steht wegen Vielweiberei vor Gericht und ist sich keiner Schuld bewusst: »Ick liebe Frauen. Die sind weich und warm.«

Fr.-Di., 20.15 Uhr, prime time theater, Müllerstr. 163/Eingang Burgsdorstr., Wedding, Karten (10/7Euro) Tel.: 49 90 79 58, www.primetimetheater.de

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