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SPD-Prominente unterstützt Linkskandidat

In Rostock macht sich die Linkspartei Hoffnungen auf das erste Direktmandat außerhalb der Hauptstadt

  • Von Velten Schäfer, Schwerin
  • Lesedauer: 3 Min.

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Für die neue Linkspartei sind Direktmandate längst nicht mehr so existenziell wie für die alte PDS. Dennoch wäre ein Erststimmensieg außerhalb Berlins ein Schritt auf dem Weg zur Volkspartei im Osten. Nun gibt es in Rostock eine Chance.
Christine Lucyga
Christine Lucyga

Wer etwas über das Wirken von Christine Lucyga wissen will, wird unter Schlägwörtern wie »Abweichler« fündig. Die promovierte Fremdsprachenlehrerin aus Rostock, die zwischen 1990 und 2002 vier mal als Direktkandidatin der SPD in den Bundestag einzog, hatte dort immer wieder Ärger.

Steffen Bockhahn
Steffen Bockhahn

Im Sommer 2001 gehörte sie zu den 19 SPD-Abgeordneten, die ihren Widerspruch gegen den Bundeswehreinsatz in Mazedonien durchhielten und die Regierung einer eigenen Mehrheit beraubten. Als es kurz darauf um Afghanistan ging und Kanzler Gerhard Schröder die Abstimmung mit einer Vertrauensfrage verknüpft hatte, ließ sie sich umstimmen, auf dass Rot-Grün weiter Politik machen könne »zugunsten der sozial Benachteiligten in diesem Land«.

Immer in Gewissensnöten

Als sich 2003 herausstellte, dass es damit nicht weit her war, gehörte sie zum »dreckigen Dutzend«, wie die SPD ihre Agenda-2010-Gegner schalt. Und als sie zwei Jahre später, bei der nächsten Vertrauensfrage, für den Kanzler stimmte, war es wieder nicht recht. Diesmal wollte er verlieren. Da hat es Lucyga gereicht; 2005 trat sie nicht mehr zur Wiederwahl an.

Nun aber macht Lucyga wieder Schlagzeilen im Nordosten: Im Kampf um das Rostocker Direktmandat unterstützt sie gegen ihren Nachfolger und SPD-Kreisvorsitzenden Christian Kleiminger offen den Kandidaten der Linkspartei, Steffen Bockhahn. Aus durchaus inhaltlichen Gründen: Das vom Linkspartei-Fraktionschef mitinitiierte, erfolgreiche Bürgerbegehren gegen den Verkauf kommunaler Unternehmen und Wohnungen führt sie an, soziales Profil und gute Verankerung in der Stadt. Über Kleiminger dagegen wollte sie gar nichts sagen, als die Regionalzeitung nachhakte.

In Rostock hat die SPD seit 1990 das Direktmandat inne, ein sozialdemokratischer Erbhof ist die Hansestadt aber nicht. 1994 und 1998 verfehlte der spätere Landesminister Wolfgang Methling nur relativ knapp das Dirkektmandat für die damalige PDS.

Schlüsselposition in der Stadt

Kleiminger wurde 2005 mit rund 38 Prozent der Erststimmen gewählt. Bockhahn, der damals jung und unbekannt war, lag an die 14 Prozent dahinter. Dennoch melden sich in Rostock schon Politikwissenschaftler von der heimischen Uni zu Wort, die Kleiminger davor warnen, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. In der Bürgerschaft ist die Linkspartei seit Sommer stärkste Kraft, auch bei der Europawahl hat sie die SPD deutlich abgehängt. Inzwischen hat Bockhahn in der Stadtpolitik eine Art Schlüsselposition inne, wird fast täglich in der Zeitung zitiert und ist auch als Anwärter auf den Landesvorsitz der Linkspartei ein bekanntes Gesicht in der Stadt. Die Unterstützung durch Lucyga, die in der SPD nicht mehr viele Freunde hat, aber unter den Bürgern hohes Ansehen genießt, »zeigt schon Wirkung«, sagt er. Immer wieder werde er darauf angesprochen. Inzwischen glaube er wirklich an seine Chance.

Es gab Zeiten, in denen die Frage nach den Direktmandaten für die damalige PDS überlebenswichtig war. 1994 etwa zog die Partei nur wegen der vier in Berlin errungenen Erststimmensiege in den Bundestag ein, 2002 verlor sie den Fraktionsstatus, weil sie nach einer Wahlkreisreform nur noch zwei Direktmandate erringen konnte. Außerhalb der Hauptstadt konnte sich noch nie ein Kandidat der PDS oder Linkspartei durchsetzen. Das wäre, meint Bockhahn, ein »wichtiges Signal«.

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