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Skandal in der Formel 1

Der Rennstall Renault räumt einen absichtlichen Unfall ein

  • Von Marlen Haselhuhn (SID)
  • Lesedauer: 2 Min.

Renault legt ein Geständnis ab, Flavio Briatore muss gehen: Der größte Skandal in der Geschichte der Formel 1 ist perfekt. In der Affäre um einen absichtlich herbeigeführten Unfall beim letztjährigen Grand Prix von Singapur haben die Franzosen völlig überraschend ihre Schuld eingestanden und sich von ihrem schillernden Teamchef getrennt. »Wir werden die aktuellen Anschuldigungen der FIA bezüglich des Singapur-Grand-Prix nicht bestreiten. Wir möchten ebenso bekannt geben, dass Teamchef Flavio Briatore und Chefingenieur Pat Symonds das Team verlassen haben«, hieß es in einer am Mittwoch verbreiteten Mitteilung von Renault.

Noch in den vergangenen Tagen hatten Briatore und das Team alle Anschuldigungen zurückgewiesen. Was nun den Sinneswandel herbeiführte, blieb zunächst völlig offen. Schlimmstenfalls droht Renault der sofortige WM-Ausschluss und eine hohe Geldstrafe. Möglicherweise wollten die Franzosen dem aber mit der Trennung von den beiden entscheidenden Figuren in der Affäre als Bauernopfer aus dem Weg gehen. Die Konsequenzen und die Zukunft des Rennstalls werden bei der geplanten Anhörung vor dem Automobil-Weltverband FIA am kommenden Montag geklärt.

Ausgelöst hatte den Skandal Rennfahrer Nelson Piquet junior. Der frühere Renault-Pilot hatte in einem Brief an die FIA geschrieben, dass ihn Symonds und Briatore beim Grand Prix im Singapur 2008 dazu gezwungen hätten, einen Unfall zu bauen, um seinem Teamkollegen Fernando Alonso den Sieg zu ermöglichen. Damals kam nach dem schweren Unfall von Piquet junior das Safety-Car auf die Strecke und spülte Alonso, der den Zeitpunkt seines Tankstopps geschickt wählen konnte, an die Spitze des Feldes.

Renault hatte die Vorwürfe zunächst bestritten und Piquet und dessen Vater Nelson Piquet senior wegen »falscher Behauptungen und versuchter Erpressung« sogar angezeigt. Die FIA hatte dem bei Renault kürzlich entlassenen Piquet junior für die Aussage Straffreiheit zugesichert.

Mit dem Aus von Briatore endet eine der schillerndsten Karrieren in der Formel 1. Der Italiener hatte einst Rekordweltmeister Michael Schumacher im Bennetton 1994 und 1995 zu den ersten beiden WM-Titeln geführt. Auch damals schon gab es zahlreiche Skandale um das Briatore-Team. Noch am vergangenen Sonntag hatte Briatore seine Unschuld erklärt und Piquet junior schwer beschimpft: »Er ist ein verzogener Junge und ein labiler Charakter.« Als möglicher Nachfolger für Briatore wird Alain Prost gehandelt. Der Franzose gewann übrigens 1989 durch einen umstrittenen Unfall mit dem Brasilianer Ayrton Senna die WM.

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