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Trawniki-Betreuung in München und Wien

Nur wenig Interesse an Demjanjuk und Kumpf

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Nazi-Mörder John (Iwan) Demjanjuk wird nicht vor Anfang November beginnen. Nun will das Landgericht München abermals die Echtheit des von der SS ausgestellten Ausweises prüfen lassen, um das letzte Hindernis für eine Zulassung der Anklage aus dem Weg zu räumen.

Ein Beamter der US-Sonderermittlungsbehörde OSI bringt den Dienstausweis aus Washington, wo er in einem Tresor des Justizministeriums verwahrt wird. Immer wieder hat es Zweifel an der Echtheit des Dokuments gegeben. Erst im Februar hatte der Ausweis Experten des Bayerischen Landeskriminalamtes vorgelegen, die ihn als authentisch bewerteten.

Demjanjuk ist wegen Mordbeihilfe in 27 900 Fällen angeklagt. Die Staatsanwaltschaft München wirft ihm vor, 1943 als Wachmann im Nazi-Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen bei der Ermordung tausender Juden in den Gaskammern geholfen zu haben.

Der ursprüngliche Ukrainer Demjanjuk verlor seine US-Staatsbürgerschaft und sitzt seit seiner Abschiebung aus den USA im Mai in München-Stadelheim in der dortigen Krankenabteilung in Untersuchungshaft.

Die Ärzte haben Demjanjuk eine eingeschränkte Verhandlungsfähigkeit bescheinigt. Gegen ihn kann demnach nicht länger als täglich zweimal 90 Minuten verhandelt werden. Eine von seinem Verteidiger geforderte Haftentlassung kommt für die Münchner Strafkammer nicht infrage.

Ein ähnlicher Fall ist der des derzeit in Wien lebenden Josias Kumpf. Auch er ist ein sogenannter Trawniki-Mann. Der Name bezieht sich auf den Ausbildungsort der SS-Hilfswilligen. Kumpf stammt ursprünglich aus Serbien, auch er wurde – unter anderem, weil er im KZ Sachsenhausen an der Ermordung von 8000 Menschen beteiligt gewesen sein soll – von den USA des Landes verwiesen. Er hatte Glück und wurde dennoch nicht nach Deutschland, sondern nach Österreich ausgeliefert.

Dort kann er offenbar nicht angeklagt werden, weil seine möglichen Straftaten in unserer Nachbar-Republik verjährt sind. Die Aufregung war dennoch groß, als die heimliche Abschiebung stattgefunden hatte und bekannt wurde, dass der ehemalige KZ-Wächter in Vorarlberger Krankenhäusern gepflegt wurde und man ihm später eine Wohnung in Wien-Döbling bezahlte. Dazu die Pflege durch die Caritas.

Die Grünen sprachen von einer »VIP-Betreuung« und fragten bei der Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) nach. Doch die Regierung in Wien streitet jede Verantwortung dafür ab.

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