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Pillengeld füllt Pharmasäckel

Arzneiverordnungsreport kürt Deutschland zum Spitzenreiter bei Medikamentenpreisen

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Auch im vergangenen Jahr stiegen die Kosten für Arzneimittel bei den gesetzlichen Krankenkassen. Das ist besonders deshalb brisant, weil Festbeträge für Medikamente und Rabattverträge dies eigentlich hätten verhindern müssen. Offensichtlich haben die Hersteller andere Wege gefunden, ihren Umsatz zu sichern.

Um 5,3 Prozent wuchsen die Ausgaben der Krankenkassen für Medikamente im Jahr 2008. Das ist das Ergebnis des Arzneimittelreports, einer jährlichen Auswertung von Millionen Verordnungen zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die jetzt zum 25. Mal vorgenommen wurde. Sie zählt die gigantische Summe von 29,2 Milliarden Euro Arzneikosten; kein anderer GKV-Bereich weist solche Steigerungen auf.

Die Experten machen einige wenige Spezialarzneien für die immensen Steigerungen verantwortlich: Blutdruck senkende Mittel, Antidiabetika, Immuntherapeutika, Tumormedikamente und Impfstoffe. Das Interessante an diesen Arzneimittelgruppen ist, dass sie einen hohen Anteil patentgeschützter Wirkstoffe aufweisen und für die können Hersteller in Deutschland hohe Preise nehmen. Ein Beispiel: Die Mittel für die – übrigens unter Experten umstrittene – Grundimmunisierung gegen Gebärmutterkrebs kosten in Deutschland 477, in den USA aber nur 247 Euro. Selbst in der Schweiz wurde der Preis nach Verhandlungen der Kantone mit dem Hersteller um 43 Prozent auf 314 Euro gesenkt.

»Die Ärzte verordnen also vermehrt andere, teure Arzneimittel«, bilanziert der Vorstand des Bundesverbandes der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), Herbert Reichelt. Diese seien zum einen wirkliche medizinische Neuerungen, die von den Pharmafirmen zum Teil zu extrem hohen Preisen auf den Markt gebracht werden. Es seien aber nach wie vor auch Präparate ohne nennenswerten medizinischen Fortschritt. Das Dilemma: Die Kosten belasten die Patienten. Diese würden zweifach zur Kasse gebeten, wenn Arzneihersteller auf staatliche Forschungsergebnisse zurückgreifen, die bereits vom Patienten in seiner Eigenschaft als Steuerzahler mitfinanziert worden seien, so Reichelt.

Einsparungen gab es 2008 durch Festbeträge für zahlreiche Arzneimittelgruppen und Rabattverträge, die Kassen inzwischen mit Firmen abschließen dürfen. Sparen konnten die Kassen ebenso mit Generika, den Nachahmerpräparaten, die anstelle patentgeschützter, teurer Mittel verordnet werden. Sie könnten, so Herausgeber Ulrich Schwabe, noch erfolgreicher sein, wenn sie nicht mit zu hohen Distributionskosten belegt würden. So koste der Cholesterinsenker Simvastatin in der Apotheke 15,46 Euro, obwohl der Hersteller nur 4,24 Euro erhalte, die Apotheke aber fast doppelt so viel für Abgabe und Beratung. Diese Packungsprämie verteuere die Generika. Der deutsche Apothekerverband protestierte; man habe den Rabatt von 2,30 Euro pro Packung nicht eingerechnet, den die Apotheken den Kassen überließen. Anstelle von Simvastatin wird in Deutschland übrigens noch immer das Präparat Inegy verordnet – dreizehn Mal so teuer, ohne zusätzlichen Nutzen und darüber hinaus unter dem Verdacht des Krebsrisikos. Auf dem deutschen Arzneimittelmarkt seien Einsparungen von sechs Milliarden Euro möglich, würden Generika billiger und Preisobergrenzen für patentgeschützte Arzneimittel festgelegt, wie das Gesetz es erlaube, so Schwabe.

Auch im ersten Halbjahr 2009 wurden nach AOK-Angaben schon 1,8 Milliarden Euro für patentgeschützte Arzneimittel ausgegeben, die Herbert Reichelt zufolge »nicht wirklich besser sind als bewährte Medikamente«. Das »Spiel« der Hersteller geht also weiter.

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