Werbung

Heldengesänge auf dem Labour-Kongress

Großbritannien: Premier Brown wirbt um den kleinen Mann – und lässt wichtige Fragen offen

  • Von Ian King, London
  • Lesedauer: 2 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

»Wir wollen weder aufgeben noch abhauen. Wir kämpfen und gewinnen für Großbritannien«, behauptete Premierminister Gordon Brown am Dienstag auf dem Labour-Parteitag in Brighton tapfer. Sarah Brown glaubt an die Heldenstärke ihres Mannes – die Wähler auch?

Vor dem Parteitag in Brighton sah die Lage für Labour denkbar ungünstig aus. Ein schmählicher dritter Platz in der neuesten Umfrage hinter Konservativen und Liberalen ließ sogar die deutschen SPD-Führer wie Glückskinder aussehen. Freunde und Unterstützer fielen von Labour ab. Der linke Karikaturist Steve Bell macht sich seit Tagen in makabrer Weise über Browns Einäugigkeit lustig; der Premier hatte als Schüler ein Auge beim Rugby-Spiel verloren. Der angesehene BBC-Moderator Andrew Marr stellte am Sonntag gar die Frage, ob der Premier wegen der politischen Lage Tabletten zur Aufmunterung nehme – eine Unverschämtheit, die er gegen den Irak-Krieger Tony Blair nie gewagt hätte. Und am Mittwoch kündigte auch noch die auflagenstärkste britische Zeitung, »The Sun«, Brown ihre Gefolgschaft auf und verkündete, Oppositionschef David Cameron von der Konservativen Partei bei der Wahl Mitte kommenden Jahres unterstützen zu wollen.

Eine einzige Parteitagsrede konnte nicht alles wenden, doch lief der sonst so spröde Schotte am Dienstag zur Hochform auf. Vom Mindestlohn bis zu Familienbeihilfen, vom nordirischen Friedensprozess bis zu den Parlamenten in Wales und Schottland – Labour habe eine Reihe von Erfolgen aufzuweisen. Auf die eigene Rolle als Weltfinanzfachmann, der in London und Pittsburgh den G 20-Kollegen Maßnahmenbündel schnüren half, brauchte Brown nicht extra einzugehen: Der an der Wand prangende Spruch »Wir sichern Großbritanniens Aufschwung« machte dies deutlich.

Doch bei den früheren Großtaten ließ es der Premier nicht bewenden; ein Glück, denn die Wähler neigen kaum zur Dankbarkeit. Stattdessen gab es Zukunftsversprechungen: finanzielle Hilfe für Alte und zur Kinderbetreuung, Wohnheime für minderjährige Mütter, eine Aufstockung der Entwicklungshilfe, scharfe Maßnahmen gegen Jugendkriminalität, eine Volksabstimmung über das Mehrheitswahlrecht. Unfähige oder korrupte Abgeordnete sollen sich einer Nachwahl stellen. Von unbeliebten Ideen wie der kostenintensiven Zwangseinführung maschinenlesbarer Personalausweise verabschiedete sich Brown. Vertraut ihr in der Krise uns oder den Tories, die fürs Däumchendrehen eingetreten sind? Eine solide Rede hielt der Premier, ein Herz für kleine Leute, ein Fußtritt für den Gegner.

Einige entscheidende Fragen blieben jedoch unberührt. Afghanistan-Feldzug, Modernisierung der britischen Atom-U-Boote, eine Generation neuer Kernkraftwerke: Das bleibt anscheinend auf der Wunschliste, was Labours Glaubwürdigkeit bei skeptischen Linken nicht erhöht. Die neuen Fans von Konservativen-Chef Cameron wollen zumeist nur ein neues, weniger griesgrämiges Gesicht und bleiben wohl von Brown nicht überzeugt. Die Rede des Premiers reicht dazu, Gordon Brown vor einem Putsch seiner Kollegen zu bewahren; zum Sieg bei den Parlamentswahlen 2010 wohl nicht.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen