Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Andengletscher schwinden

Neben dem Klima setzt Bergbau den Trinkwasserreservoirs Südamerikas zu

  • Von Benjamin Beutler
  • Lesedauer: 2 Min.
70 Prozent aller tropischen Gletscher finden sich in Südamerika, in den Anden. Doch die ohnehin durch die Klimaerwärmung schrumpfenden Eismassen geraten durch Bergbauprojekte zusätzlich unter Druck.

»Hände weg von den Gletschern!« Unter dem weißen Obelisken von Buenos Aires haben Umweltaktivisten der Nichtregierungsorganisation »Solidarisches Gewissen« am Wochenende Tausende von Unterschriften gesammelt. Auf die zerstörerischen Folgen des Bergbaus durch transnationale Unternehmen soll aufmerksam gemacht werden. Auch ein landesweiter TV-Spot mit bekannten Schauspielern und Musikern ist in Argentinien geschaltet und zeigt Bilder von riesigen, mit Dynamit zersprengten Steinwüsten: leblose Tagebaulandschaften. Seit Jahresbeginn laufen die Aktivisten schon Sturm, um gegen den Widerstand von Bergbaulobby und Regierung ein Gesetz zum Schutz der Gletscherzonen durchzusetzen. Das vom Nationalkongress beschlossene »Gletschergesetz« hatte Präsidentin Christina Fernández de Kirchner Ende 2008 kassiert.

»Die Bergbaufirmen siedeln sich in der Cordillera an, ohne Rücksicht auf unberührte und Jahrtausende alte Gletscher, deren Wasser sie zur Auslaugung mit Blau- und Schwefelsäure vergiften«, warnt »Solidarisches Gewissen« vor geschätzten dreihundert neuen Bergbauprojekten im Land. Den Gewinn hätten wie eh und je allein ausländische Firmen und die Industrienationen. Für Argentinien bleibe nach dem Abbau von Gold, Kupfer und Uran die kaputte Umwelt, Krankheiten und sozialer Niedergang. Nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace sind die Gletscher in Argentiniens südlicher Andenregion Patagonien in den letzten 20 Jahren um 10 bis 20 Prozent geschrumpft. Grund ist vor allem die globale Erwärmung. Das Gletschersterben hat gravierende Folgen: In Trockenzeiten speisen sich die in die Tiefebenen abfließenden Flüsse zu 70 Prozent aus dem Schmelzwasser.

Besonders gefährdet sind die Gletscher im Bergbauland Peru. 70 Prozent aller tropischen Gletscher finden sich hier. Wegen des warmen Klimas sind sie klein, vereinzelt und empfindlich. In den letzten 23 Jahren hat Peru ein Drittel seiner Gletscherflächen eingebüßt, bei einem jährlichen Rückgang von 20 Metern. 2015 werden alle Gletscher unterhalb von 5500 Metern Höhe verschwunden sein. Auch hier verschlimmert der staatlich geförderte Bergbau den Gletscherschwund. Im Huayhuash-Gebirge der Departamentos Ancash, Huánuco und Lima sind hunderte Bergbaulizenzen vergeben worden, die auf geschützte Naturreservate keine Rücksicht nehmen. »Es reicht aus, wenn Lkws Staub aufwirbeln, der sich auf den Gletscher legt. Der dunkle Staub absorbiert die Wärme«, erklärt ein Experte. Rund zwei Millionen Peruaner in Tälern und an der Küste decken zwölf Prozent ihres Wasserbedarfs aus den Gletschern. Die Weltbank warnt bei anhaltendem Trend vor einer Krise. Bis 2100 könnte die Landwirtschaft in Ecuador, Peru, Chile und Bolivien um 50 Prozent einbrechen. Grund: fehlendes Wasser.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln