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Unter Druck

Frédéric Mitterrand / Frankreichs Kulturminister weist Pädophilievorwürfe zurück

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 2 Min.

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Der 62-jährige Neffe des ehemaligen sozialistischen Präsidenten François Mitterrand ist seit Langem als Dokumentarfilmer, Autor von Biografien und gelegentlicher Opernregisseur bekannt. Im Juni 2008 machte ihn Präsident Nicolas Sarkozy zum Leiter der Künstlerkolonie Villa Medici in Rom, und im vergangenen Juni gar zum Kulturminister. Das erregte vor allem bei den Sozialisten Unmut, die darin einen weiteren Erfolg von Sarkozys »Umarmungstaktik« gegenüber linken Persönlichkeiten sahen. Frédéric Mitterrand gilt zwar als links, doch mehr noch als empfänglich für Ruhm und Ehre. Darunter litt wohl auch sein Verhältnis zu Recht und Moral, was ihm in die Schlagzeilen brachte.

Dass er die Verhaftung des Filmregisseurs Roman Polanski in der Schweiz und dessen drohende Auslieferung in die USA, wo man ihm wegen des 30 Jahre zurückliegenden Missbrauchs einer 13-Jährigen den Prozess machen will, Medien gegenüber spontan als »absolut schrecklich« und »unsinnig« bezeichnete, nahm Marine Le Pen, Tochter des Führers der rechtsextremen Front National, als willkommenes Stichwort. Sie erinnerte sich des 2005 erschienenen Buchs von Mitterrand »Ein schlechtes Leben« und las im Fernsehen einige aus dem Zusammenhang gerissene Passagen vor, in denen der homosexuelle Autor über seine Erlebnisse mit jungen Männern in Thailand schwärmte. Das sei »Verherrlichung von Pädophilie und von Sexualtourismus«, erklärte die FN-Politikerin, und forderte den Rücktritt des Ministers.

Politisches Gewicht bekam diese Attacke aber erst durch eine in die gleiche Kerbe hauende Erklärung des Parteisprechers der Sozialisten, Benoît Hamon. Nachdem sich zahlreiche rechte wie linke Politiker empört über die Rufmordkampagne geäußert hatten, stellte Mitterrand selbst in einem von acht Millionen Zuschauern verfolgten Fernsehinterview richtig, dass er es in Asien nie mit Minderjährigen, sondern »nur« mit männlichen Prostituierten zu tun hatte, dass er Sexualtourismus nicht propagiere und dass er Pädophilie scharf verurteile. Von der FN angegriffen zu werden, rechne er sich als Ehre an. Präsident Sarkozy habe ihm sein Vertrauen erneuert – und natürlich denke er überhaupt nicht an Rücktritt.

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