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Chinas Freiwillige

INTERNATIONALISMUS

  • Von Heiner Jestrabek
  • Lesedauer: 3 Min.

Es ist bereits das zweite Buch, das Theodor Bergmann zum Thema Internationalismus in diesem Jahr vorlegt. Nach dem umfänglichen theoretischen Vorgänger »Internationalismus im 21. Jahrhundert. Lernen aus Niederlagen – für eine internationale Solidarität« präsentiert der Stuttgarter Professor hier zahlreiche Einzelbiografien. Dabei wird auch ein im linken Bewusstsein noch weitgehend unbekanntes Kapitel erhellt, denn es wird nicht nur an den selbstlosen Einsatz von Ärzten, Krankenschwestern, Technikern, Geschäftleuten und Journalisten im Kampf gegen den deutschen Faschismus und im spanischen Bürgerkrieg, sondern auch in der chinesischen Revolution erinnert.

Es sind Menschen, deren Einsatz durchaus das Attribut »heroisch« verdient. Nicht materieller Gewinn oder Aussicht auf politischen Einfluss und Macht motivierte sie; nicht wenige von ihnen gaben ihr Leben. Bergmann erinnert hauptsächlich an die unbekannten, stillen Helfer. Alle von ihm porträtierten Idealisten wären Protagonisten für einen spannenden Roman. Norman Bethune ist ein solcher gewidmet worden, sein Leben wurde sogar verfilmt.

Der Wissenschaftler romantisiert nicht. Er schildert die harten Kämpfe ohne Pathos, sachlich und informativ. Zunächst führt er in den historischen Hintergrund der ereignisreichen Jahre zwischen den beiden Weltkriegen ein. Dann wird er konkret. Von besonderem Interesse dürften die Ausführungen über die beachtliche Zahl von chinesischen Freiwilligen im Spanienkrieg 1936 bis 1939 sein. Andererseits unterstützten Internationalisten aus Kanada, den USA, aus Neuseeland, Indien, China, Deutschland, Österreich, England, Polen, Rumänien, Tschechoslowakei, Ungarn, Bulgarien und der Sowjetunion das chinesische Volk in seinem Kampf gegen den japanischen Faschismus. Hilfe kam auch vom Führer der indischen Kongresspartei, Jawaharlal Nehru, von den »Industriekooperativen« Rewi Alleys und von der Witwe von Sun Yatsen, Song Qingling, und deren China Defence League.

Bergmann hat »Helden« der Vergessenheit entrissen. Und er bietet zahlreiche neue Details. Überproportional hoch, so sein Befund, war unter den Internationalisten aus Europa der Anteil der jüdischen sozialistischen Intellektuellen. »Die Menschen, die völlig freiwillig ihre ganze Kraft für den Kampf gegen Faschismus und Imperialismus eingesetzt und sehr oft ihr Leben hingegeben haben, haben gezeigt, was sozialistisches Denken bewirken kann. Ihr Beitrag an den vielen Fronten des internationalen Klassenkampfes bedarf keines Lobes; er spricht für sich selbst. Darauf können wir Sozialisten stolz sein. Das ist die positive Seite unserer Geschichte«, schreibt Bergmann.

Der Autor verschweigt auch nicht tragische Nachkriegsschicksale, die »unsere Gechichte« verschuldet hat. Den Helden widerfuhr nicht immer Dankbarkeit. Fast alle, die in China blieben, wurden Opfer der »Kulturrevolution« (z. B. Israel Epstein, Eva Siao und Hans Müller). Die Rückkehrer waren in den antisemitischen Wellen in Osteuropa Schikanen und Bedrängungen ausgesetzt. Einige wurden erneut in die Emigration gezwungen. In China erfolgte nach Maos Tod eine umfangreiche Rehabilitation. Es ist ehrlich versucht worden, so Bergmann, Unrecht wieder gut zu machen. Es gab öffentliche Ehrungen und Entschädigungen, einige Betroffene kamen in hohe politische oder fachliche Ämter.

Dieses wichtige Buch, das die Bedeutung internationaler Solidarität unterstreicht, sollte zahlreiche Leser finden.

Theodor Bergmann: Internationalisten an den antifaschistischen Fronten. Spanien – China – Vietnam. VSA-Verlag, Hamburg. 143 S., br., 11,80 €.

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