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Integration ist Kraftfutter für die Gehirne

An immer mehr Schulen lernen behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam

  • Von Karsten Packeiser, epd
  • Lesedauer: 2 Min.

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Deutschland tut sich noch schwer mit der von der UN-Behindertenkonvention geforderten Eingliederung von Kindern mit Handicap ins Regelschulsystem. Doch Fortschritte gibt es, wie ein Blick nach Rheinland-Pfalz zeigt.

»Mein Bruder war mal in den Pyramiden«, erzählt Phillip mit wichtiger Miene seinem Tischnachbarn, »da ist die Luft ganz stickig.« In der Klasse 5a der Integrierten Gesamtschule (IGS) im rheinhessischen Nieder-Olm steht das »Alte Ägypten« auf dem Stundenplan. Jedes der 30 Kinder hat seine Aufgabenliste, die es im Beisein von zwei Lehrerinnen abarbeitet. Es gibt Arbeitsblätter für alle, Zusatzfragen für die besonders Schnellen und ein Fach mit extra einfachen Aufgaben für die vier sogenannten lernbehinderten Schüler in der Klasse. Die IGS Nieder-Olm ist eine von derzeit 159 Schwerpunktschulen in Rheinland-Pfalz, an denen behinderte und nichtbehinderte Kinder zusammen unterrichtet werden. Bislang wird die überwältigende Mehrheit der behinderten Kinder in Deutschland noch auf Förderschulen geschickt. In Rheinland-Pfalz hat sich der Prozentsatz der Kinder mit Behinderung, die eine Schwerpunktschule besuchen, in den letzten Jahren zwar verdoppelt, liegt jedoch trotzdem erst bei 15 Prozent.

»Grundsätzlich können wir jedes Kind aufnehmen», sagt der Nieder-Olmer Schulleiter Norbert Weyel. Seine IGS sei auch für Rollstuhlfahrer zugänglich. Der gemeinsame Unterricht mit lernbehinderten Kindern sei inzwischen »kein Thema« mehr, solange die Schule genügend Förderlehrerstunden zugewiesen bekomme.

Die meisten Bildungsexperten sind davon überzeugt, dass die Kinder an einer Regelschule viel mehr Möglichkeiten haben, von ihren Mitschülern zu lernen und soziale Kompetenzen zu erwerben. »Integration ist Kraftfutter für die Gehirne«, sagt Ottmar Miles-Paul, Behinderten-Beauftragter der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Einen Rechtsanspruch auf einen Platz an einer Schwerpunktschule haben Eltern und Kinder in Rheinland-Pfalz indes nicht. Letztendlich liegt die Entscheidung darüber, welche Schule ein Kind besuchen darf, weiterhin bei der Schulaufsicht. Aktuell gebe es aber keinen Fall, in dem es zu einem Konflikt zwischen Eltern und Behörden gekommen sei, versichert Angelika Schaub vom Bildungsministerium in Mainz.

In den 90er Jahren sah die Situation noch ganz anders aus: »Die Eltern mussten selbst eine Schule suchen, die bereit war, ihr Kind aufzunehmen«, erinnert sich Monika Kultschak-Etges von der Landesarbeitsgemeinschaft »Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen« und Mutter eines Sohnes mit fragilem X-Syndrom. Sonderschulen seien grundsätzlich für behinderte Kinder der falsche Ort, findet sie. Viele Eltern würden nach wie vor falsch beraten, Förderschuldirektoren machten den Eltern Angst davor, ihre Kinder an gewöhnliche Schulen zu schicken.

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