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Warum es mit der Konvergenz nichts wird

Tagungsband analysiert die Probleme der ostdeutschen Wirtschaft 20 Jahre nach der Wende

  • Von Klaus Steinitz
  • Lesedauer: 3 Min.

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Zum 20. Jahrestag der Wende werden wir von Publikationen geradezu überflutet. Nur wenige bieten dem Leser jedoch eine sachliche, differenzierte und realistische Analyse und Bewertung der 40-jährigen Entwicklung in der DDR und von fast 20 Jahren Aufbau Ost. Zu diesen Ausnahmen gehört die Schrift »Ostdeutsche Wirtschaft 20 Jahre nach der Wende«. Sie enthält die Beiträge einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen.

Die Texte greifen in die Ausein-andersetzung über Ergebnisse und Perspektiven der wirtschaftlichen Entwicklung Ostdeutschlands ein. Sie analysieren die Gründe für den unbefriedigenden Verlauf der wirtschaftlichen Konvergenz und der Angleichung der Lebensverhältnisse. Mehrere Autoren befassen sich mit den Ergebnissen der DDR-Entwicklung 1949-1989 und ihren Einflussfaktoren: Karl Mai mit den äußeren Hemmfaktoren der DDR-Wirtschaft, Joachim Tesch mit dem Zurückbleiben des ostdeutschen Baugewerbes vor und nach 1990. Gerhard Heske hat als erster eine Entstehungs- und Verwendungsrechnung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) der DDR für den Zeitraum 1950-1989 vorgelegt, die einen differenzierten und objektiven Vergleich mit der BRD bis zur Vereinigung ermöglicht. Damit lässt sich auch eine aussagefähige Bewertung der Entwicklung Ostdeutschlands seit der Vereinigung vornehmen. Als Basisjahr hierfür dient 1989, das letzte volle DDR-Jahr, und nicht wie in den offiziellen Verlautbarungen üblich 1991, das Jahr des tiefsten Absturzes der ostdeutschen Wirtschaft. Dadurch ergeben sich ganz andere, teilweise entgegengesetzte Aussagen über die Entwicklung seit dem Ende der DDR.

Andere Autoren setzen sich mit den verhängnisvollen Fehlern der Vereinigungspolitik auseinander. So analysiert Edgar Most die »völlig realitätsfremde Bewertung der DDR-Wirtschaft« bei der Umstellung auf die D-Mark.

Diese Beiträge widerlegen offensichtliche Entstellungen der DDR-Realität, die nach wie vor die Publizistik dominieren. Der Einfluss der »Erblast« der DDR auf der einen und der falschen Weichenstellungen der bundesdeutschen Vereinigungspolitik auf der anderen Seite für die ostdeutsche Wirtschaftsentwicklung werden insgesamt realistisch dargestellt.

In der Publikation sind weitere Autoren mit informativen und kompetenten Beiträgen vertreten. Udo Ludwig vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle analysiert den »Schein der Ost-West-Konvergenz« durch die Verringerung des relativen Abstands im BIP je Einwohner, obgleich die Wachstumsraten des BIP in den neuen Bundesländern seit mehr als zehn Jahren insgesamt nicht höher sind als in den alten. Wolfgang Kühn weist nach, wie sich ungeachtet der Entwicklung von Technologiezentren und einzelner industrieller Leuchttürme fast alle Regionen in den neuen Bundesländern zu den wirtschaftlich schwächsten in der Bundesrepublik gehören: Das BIP je Einwohner beträgt in den 37 sogenannten Euroregionen, in die die Bundesrepublik untergliedert ist, 116 Prozent des EU-Durchschnitts. Die acht ostdeutschen Regionen liegen jedoch unter diesem EU-Durchschnitt.

Ulrich Busch behandelt demografische Prozesse in den neuen Bundesländern. In seinem Beitrag werden das Ausmaß sowie die nachhaltigen sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Schrumpfung und der strukturellen Veränderungen der ostdeutschen Bevölkerung deutlich.

Ostdeutsche Wirtschaft 20 Jahre nach der Wende. Herausgegeben von Dieter Janke und Joachim Tesch, Diskurs Heft 32, Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen, Leipzig 2009, 191 S., 11 Euro, ISBN 978-89819-327-6.

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