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Sind so rote Fluten

Delfinjagd: Manche landen in Delfinarien, der Rest in Japans Kühlregalen

  • Von Caroline M. Buck
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ein Dokumentarfilm des Walschutz-Aktivisten Louie Psihoyos bezeugt vieltausendfache Massaker an Delfinen vor der Küste Japans. Und deckt auf, was der Familienspaß Delfinarium mit diesem Abschlachten zu tun hat.

Seit die Kinderserie »Flipper« über die Fernsehbildschirme der Welt ging, träumen Kinder vom Delfin als dem perfekten Freund des Menschen. Ein Tier von hoher Intelligenz, das drollige Laute von sich gibt, mit dem Kopf nicken kann, stets aussieht, als ob es freundlich lächelt, und sich hervorragend abrichten lässt, das war zu viel der Versuchung auch für die Nischenfinder der globalen Marktwirtschaft. Der Prozess der Vermenschlichung der Delfine, den »Flipper« begann, setzte sich in den Delfinarien der Welt fort, und die wurden immer zahlreicher.

Delfinarien aber sind tödlich, jedenfalls für Delfine. Lärm, Enge und Dauerstress sind schwer erträglich für Tiere, die sich mit Hilfe eines ausgeprägten Gehörsinns orientieren und freie Bewegung bis in die Tiefsee gewöhnt sind. Weil sich die Nachzucht in Gefangenschaft als extrem schwierig erwies, kommt Nachschub immer wieder aus Wildfängen. Politische Versuche durch Grüne und LINKE, die Haltung von Delfinen zumindest in Deutschland zu beenden und den vorhandenen Bestand auszuwildern, stießen auf wenig Gegenliebe bei den bürgerlichen Parteien.

Eine EU-Verordnung schuf 1996 die Rahmenbedingungen für ein Verbot der Einfuhr von Walen und Delfinen zu rein kommerziellen Zwecken, und auch das deutsche Tierschutzgesetz sieht ein Importverbot theoretisch bereits vor. In den Neunzigern schien ein Umdenken stattzufinden, es wurden europaweit Delfinarien geschlossen, auch in Deutschland sank ihre Zahl von neun auf drei (in Duisburg, Münster und Nürnberg). Dann kam die Delfin-Therapie auf, und der Bedarf schnellte in die Höhe. Zwar ist nicht erwiesen, dass Delfine sich zur Sozialisierung z.B. von autistischen Kindern besser eignen als Pferde oder Katzen, aber der Traum von »Flipper« erwies sich auch hier als stärker.

Und was bei allen Waren gilt, ist auch beim Delfin nicht anders: Angebot und Nachfrage regeln die Bereitschaft zu ihrer Beschaffung. Solange ein besonders robuster Freifang auf dem internationalen Markt bis zu 150 000 Dollar wert ist, werden sich Fischer finden, die Delfine fangen. Und was mit dem weniger schönen und robusten Mitfang geschieht, lässt sich im Dokumentarfilm »The Cove – Die Bucht« am Beispiel der jährlichen Delfinmassaker im japanischen Taiji auf der Leinwand ansehen. Vom Lärm metallener Stangen zu Hunderten in die Bucht getrieben, werden die Delfine dort selektiert. Auf Lastern enden alle: die »guten« lebendig in Transportnetzen, die »schlechten« erschlagen und zerteilt.

Dass ihr Fleisch quecksilberverseucht und für den Verzehr ungeeignet ist, tut nichts zur Sache. Aus den Schulkantinen von Taiji hat man es verbannt, aber weil Taiji sich abseits der abgesperrten Mörderbucht mit dem Delfin als Wahrzeichen schmückt, kann man in seinen Läden auch Delfinchips kaufen. Und wo das Delfinfleisch unverkäuflich bleibt, lässt es sich immer noch zum Walfleisch umdeklarieren. Ein Mann bemüht sich um Gegenwehr: Richard O’Barry, der Trainer, der einst mit viel Spaß an der Arbeit alle fünf »Flipper«- Darsteller für die Serie trainierte, kämpft heute in Taiji für Öffentlichkeit, um das Delfin-Massaker zu beenden. Und hält nichts, wirklich gar nichts mehr vom Abrichten gefangener Delfine zur Belustigung des Menschen.

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