Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

»Küßt die Faschisten«

Tucholsky-Freunde

Kurt Tucholsky
Kurt Tucholsky

Unter uns nennen wir uns Kanaken«, sagte Sarin, ein deutscher Schüler, der jetzt an der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule, in der immerhin jeder 4. Schüler einen »migrantischen Hintergrund« hat, sein Abitur macht. Und er fügte hinzu: »Ich bin zuerst Krefelder, und auch Türke.« Diese Bemerkungen deuten das Spannungsfeld an, unter dem die Jahrestagung der Kurt-Tucholsky-Gesellschaft stand. Als Neuerung fand diesmal in Berlin auch ein Workshop für Schüler statt. Unter dem von Tucholsky entliehenen Zitat: »Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft!« stand Tucholskys Auseinandersetzung mit dem deutschen Faschismus und die seiner literarischen Mitstreiter, wie Kurt Hiller, Erich Mühsam und Friedrich Wolf, im Mittelpunkt.

Im Ribbeck-Haus der Zentral- und Allgemeinbibliothek trafen sich in Berlin Tucholsky-Freunde aus allen Teilen der Republik mit ausländischen Gästen. Auseinandersetzungen, so über die Rolle Ernst Thälmanns im politischen Streit in der Weimarer Republik oder um die Verunglimpfung der »Weltbühnen«-Autoren als »Nestbeschmutzer«, waren programmiert. War die »Weltbühne« in ihrer Auseinandersetzung mit der NSDAP mutig und vorausschauend? Dass Friedhelm Greis, Herausgeber der Anthologie »Aus Teutschland Deutschland machen«, zumindest für den Herausgeber Carl v. Ossietzky Zweifel anmeldete, blieb nicht unwidersprochen.

Ein Höhepunkt der Tagung war die Verleihung des Tucholsky-Preises an den Autor Volker Weidermann, der mit seinem »Buch der verbrannten Bücher« gegen das Vergessen anschrieb: »Indem er nicht nur den großen, noch immer gelesenen Schriftstellern wie Kurt Tucholsky, Erich Maria Remarque oder Erich Kästner nachspürt, sondern auch den sonderbaren, nie gehörten Namen wie Christa Anita Brück oder Maria Leitner, liefert er zugleich ein verblüffend buntes, vielschichtiges Porträt des literarischen Feldes vor der Nazi-Zeit«, heißt es u. a. in der Preisbegründung der Jury.

Nachdem der Pädagoge und Satiriker Dr. Wolfgang Helfritsch aus Altersgründen nicht mehr für den Vorsitz der Tucholsky-Gesellschaft kandidierte, wurde der britische Germanist Dr. Ian King, der ND-Lesern durch seine oft ironisch gefärbten Berichte aus London vertraut ist, zum neuen Vorsitzenden der Gesellschaft gewählt.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln